Fotografie: Social Media Risiken und 5 analoge Lösungen

Ich muss dir heute etwas beichten. Ich habe in den letzten Monaten diesen Blog sträflich vernachlässigt und das tut mir wahnsinnig leid. Neben einigen gesundheitlichen Einschränkungen die ich hatte, habe ich mich auch tatsächlich  innerlich von der online Welt distanziert. Und da kam als Nebeneffekt leider auch meine eigene Internetpräsenz mit ins Spiel. Aber da ich meinen Blog doch irgendwie liebe und in Zukunft einiges hier weiter vorantreiben möchte, schreibe ich heute mal über das, was mich zu diesem Thema bewegt. 

Vorwort

Ich habe mich entschieden meinen Schreibstil leicht zu ändern. Von nun an spreche ich Dich persönlich an, anstatt von “euch” oder “ihr” zu reden. Einfach weil ja einzelne Menschen vor dem Bildschirm sitzen und keine Gruppen. Und da mir der einzelne Mensch wichtig ist und ich persönlich mit dir meine Gedanken teile, bleibe ich von nun an beim DU.

Die zweite Änderung wird der Abschnitt “tl;dr” in jedem Artikel sein. Das ist die Abkürzung für »Too long; didn’t read« (Zu lang, nicht gelesen). Es gibt Leser, die einfach nur eine Essenz, anstatt die Fülle des Textes wollen. Das ist OK, jeder hat ein Recht auf seine eigene Taktung im Alltag. Daher versuche ich in diesem Abschnitt die wichtigsten Gedanken zusammenzufassen und werde mir wirklich Mühe geben, mich kurz zu halten. Ich habe neulich ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry gelesen, das mich ziemlich beschäftigt hat. Es hieß dort: “Perfection is achieved not when there is nothing more to add, but when there is nothing left to take away“. Es wird für mich eine Herausforderung werden, denn oft fehlt mir einfach die Zeit, um mich kurz zu halten.

Einleitung

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Heute geht es weniger um Fotografie, sondern eher um das Thema soziale Medien in der Fotografie. Mich beschäftigt dieses Thema schon seit Monaten und ehrlich gesagt schreibe ich an diesem Artikel auch schon seit Wochen. Es geht mir um das potentielle Risiko das man als Fotograf hat, wenn man versucht immer und überall mitspielen zu wollen. Es geht mir um die Menschen, die anfällig dafür sind, die Kontrolle über diese Dinge zu verlieren, wenn man sich zu sehr auf die online Welt einlässt. Und es geht mir um Fotografinnen und Fotografen, die sich durch die gewaltige Bilderflut im Internet gezwungen sehen, sich selber mit anderen ständig vergleichen zu müssen und dadurch ihr eigenes Künstler Herz latent verlieren. Mir geht es jedenfalls so!

Und da es fast unmöglich ist, alle Aspekte zu berücksichtigen, habe ich mich heute nur auf Instagram und Hobby Fotografie beschränkt. Als Einzelunternehmer hat man ohnehin ganz andere Ziele und größere Konzerne verfolgen mit meist eigenen Abteilungen einen anderen Ansatz. Daher klammere ich diesen Bereich sehr großzügig aus.

Als Freizeit Fotografin und Fotograf möchte man seine Bilder zeigen und dafür auch ein Feedback erhalten. Sei es auch nur in Form eines “Likes”. Dieses Feedback ist wichtig. In der Phase, in der die eigenen fotografischen Fähigkeiten aufgebaut werden, schafft man damit auch eine Grundlage für das eigene Selbstbewusstsein als Fotograf. Und nur wenn man weiß, was man kann und was nicht, entwickelt man sich auch weiter. So jedenfalls meine Theorie. Vor einigen Jahren noch wäre wohl die erste Wahl dafür ein Online Forum gewesen und Jahre zuvor gab es Fotostammtische. Aber heute geht man online auf die Suche.

Instagram und Facebook spielen da wohl oder übel eine zentrale Rolle. Es gibt unzählige Facebook Gruppen, in denen man themenspezifisch Bilder zeigen kann. Instagram ist mittlerweile zu DER Plattform mutiert, um Bilder zu zeigen. Meiner Meinung nach gibt es aber auch hier wie bei allen Dingen im Leben immer zwei Seiten der Medaille. Ich persönlich empfinde aufgrund meiner eigenen Prägung, meines Burn-outs und vermutlich auch aufgrund meines Alters vieles davon als sehr störend. Vor allem den sozialen Druck, dem man in Facebook Gruppen begegnen kann. Daher schreibe ich darüber.

Dieser Artikel ist für all die Fotografinnen und Fotografen da draußen, die mit den sozialen Medien auf Kriegsfuß stehen, am liebsten alle Konten löschen wollten, aber dennoch dabei bleiben, weil sie denken, dass man das halt so machen muss oder weil sie sonst keinen anderen Kontakt zu Künstlern haben. 

Es ist auch für diejenigen da draußen, die mit dem Druck, den man in den sozialen Medien verspüren kann, nicht umgehen können/wollen. Es ist auch für diejenigen unter uns, die ihr Smartphone nicht aus den Händen bekommen und öfter mal unkontrolliert surfen und sich ständig darüber wundern, wie schnell die Zeit vergeht, während man “nur” mal kurz auf Facebook und Instagram ein paar Dinge checkt. Nebenbei, meine persönliche Rekordzeit an einem Tag waren mehr als 5 Stunden in den sozialen Medien. Instagram, Facebook und Twitter! Ich recherchierte Möglichkeiten, wie man die Reichweite auf Instagram erhöhen kann und versuchte andere Fotografen Profile zu analysieren. Da vergingen die 5 Stunden fast wie im Flug. Wie habe ich das gemessen? Im iPhone gibt es seit einiger Zeit die Möglichkeit mit Hilfe der Bildschirmzeit diese Statistik pro genutzter App aufzuzeigen. Glücklicherweise hab ich mir das danach angeschaut und bekam nicht zu Unrecht einen Schreck. 

Heute geht es auch um Zeit, um den Selbstwert als Freizeit Fotografin und Fotograf und vor allem darum, wie du vielleicht mit einem neuen Schritt wieder die Oberhand über die Qualität deiner online Freizeit wiedergewinnst. Und wenn das alles nicht auf dich zutrifft, dann beglückwünsche ich dich. Aber vielleicht kennst du ja eine Person, der es so oder ähnlich geht und vielleicht kannst du aus diesem Artikel einige hilfreiche Tipps für dich und diese Person herausziehen. Es würde mich freuen, wenn wir das zusammen schaffen könnten.

Disclaimer

Aber ich hoffe, dass eins klar ist: auf die psychologischen Nebeneffekte, auf die ein Fotograf Mensch dabei trifft, werde ich als Laie mit Sicherheit nichts Professionelles sagen können. Doch da ich zwei Augen im Kopf habe und mein näheres Umfeld mir wohl eine ausgeprägte Beobachtungsgabe zuspricht, teile ich hiermit einfach nur einige meiner Eindrücke mit dir, die ich an mir selber und einigen lieben Menschen in meinem Freundeskreis  erkennen konnte. Die aufgezeigten Lösungen sind pragmatischer Natur und laufen aktuell im Selbstversuch durch einen operativen Prozess hindurch. Dieser Artikel wird mit Sicherheit keine Dissertation über das psychologische Verhalten in sozialen  Medien werden. Aber man darf ja mal über das schreiben, was einen bewegt 🙂           

Mein Ansatz ist auch nicht wie die sonst üblichen “Tipps, um erfolgreicher auf BlaBlaBla onlline zu werden“. Nein, mein Herz schlägt wesentlich analoger. Ich zeig dir 5 analoge Alternativen auf, die einen gleichen Effekt haben können wie die vermeintlichen Versprechen in den sozialen Medien.

Der Text ist übrigens mit knapp 4300 Wörtern entgegen allen Empfehlungen für einen online Artikel definitiv zu lang geworden. Aber da ich schon gekürzt habe, belasse ich das nun dabei und hoffe auf deine Nachsicht. Also schnapp dir einfach eine Kanne  Kaffee oder Tee, mach es dir auf der Couch bequem und sei herzlich willkommen in meiner Gedankenwelt 🙂

ein Anfang

Alles fing ganz harmlos an. Vor einem Jahr etwa entstand die Idee, mich für unser Kollektiv etwas intensiver mit Instagram zu  beschäftigen. Unser Fotografen Kollektiv “Collateral Eyes” findest du übrigens unter dem gleichnamigem Instagram Account. Das erklärte Ziel war damals die organische Zahl der Follower zu erhöhen, also echte Menschen dazu zu bewegen unserem Account zu folgen. Wir wollten wie viele andere Fotografen eben auch berühmt werden 😉

Im Prinzip erreicht man das kurz gesagt nur durch aktive Interaktion, ganz viel authentische Instagram Liebe  und regelmäßiger online Präsenz, sowohl mit qualitativ wertvollen Beiträgen, als auch interessanten “live” Stories. Letztendlich geht es wie bei allen schnelllebigen online Medien darum, nicht nur nicht in der Masse unterzugehen, sondern eben auch durch eine subjektive Besonderheit daraus hervorzustechen, um eine Gruppe von Menschen für sich zu gewinnen. Klingt einfach, oder?! Nur wie funktioniert das? Das herauszufinden habe ich mir als Ziel gesetzt.

vorneweg: mein Problem und meine Lösung

Und da fing das Problem auch schon an. Ohne jetzt mathematisch genau zu wissen, wie der Instagram, bzw. Facebook- eigene Algorithmus funktioniert, wird man immer mehr Zeit und Energie in dieses Online Projekt hineinstecken, als einem wirklich lieb ist. Das wurde mir nach kurzer Zeit klar, als ich mir ausmalte, wie viel Zeit man ich investieren müsste, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Aber ich ging leider noch einen Schritt weiter, ich investierte auch tatsächlich diese Zeit in dieses Projekt und hatte dabei total vergessen, dass ich als einzelner Mensch ja auch eigene Profile und damit verbunden auch eigene Ansprüche und Forderungen an die soziale Online Welt hatte. Ehe ich mich versah, befand ich mich auch schon in der Falle, in der ich einfach zu viel Zeit mit meinem Smartphone verbrachte. Und wenn man so wie ich schon durch einen Burnout gebrandmarkt war, brachte das leider unschöne Nebeneffekte mit sich. Meine Konzentration, aber vor allem meine Kreativität fielen in den Keller. Aber noch viel schlimmer war mein Selbstwert als Fotograf. Ich verglich mich plötzlich viel stärker mit anderen tollen Künstlern und erkannte dabei alles, was ich nicht konnte. Ich fing an kopieren zu wollen und vernachlässigte dabei meine eigene Kreativität. Der Anfang vom Ende war vorprogrammiert: ich fotografierte immer seltener.

Ich stellte mir also irgendwann diese Frage, ob ich das will und woran das lag und ich kam recht schnell darauf, dass sich diese negative Entwicklung synchron zu meiner Online Zeit in den sozialen Medien aufbaute. Daher beschloss ich, mich zurückzuziehen, erst mal keine Bilder mehr auf Instagram oder in Facebook Gruppen zu zeigen und mir Strategien aufzubauen, die mir, meinem Selbstwert und vor allem meinem Fotografen Herz gut tun würden. Im Nachhinein  muss ich feststellen, bereue ich es nicht, dass ich mich gegen diese Art in der online Welt präsent sein zu wollen, entschieden habe. Aber dazu später mehr.

Nach sorgfältiger Recherche musste ich zu dem erkennen, dass die Unternehmen dieser Plattformen (Oh Wunder) eigene kommerzielle Ziele verfolgen. Nichts auf dieser Welt ist umsonst und schon gar nicht in den sozialen Medien. Allen voran werden erst mal Daten gesammelt, verwertet und zu barer Münze gemacht. Selbst ein vermeintlich kostenloses online Konto bezahlt man immer teurer, als einem lieb ist. Aber das Datenschutz Thema ist ein anderer sehr großer Punkt, über den wir uns gerne das nächste mal ausgiebig unterhalten können. Dazu habe ich nämlich naturgemäß auch eine eigene Meinung.

Die Sichtbarkeit von Inhalten in den sozialen Medien ist wenigstens bei den von Facebook gesteuerten Plattformen tatsächlich kommerziell motiviert, um nicht manipuliert zu sagen. Das bedeutet im Umkehrschluss, Facebooks primäres Ziel ist es, dich ungefragt so lange wie möglich an den Bildschirm zu fesseln UND dabei noch Geld zu verdienen. Die entscheidende Frage ist, willst du das?

Das Unternehmen drosselt die Sichtbarkeit deiner Beiträge und deiner Follower ab, um so einen Anreiz zu schaffen, Beiträge gegen Geld zu bewerben. Ob das nun künstlich gewollt oder durch den Umstand des mittlerweile exponentiellen Wachstums dieser Plattformen geschieht, sei mal offen gelassen. Fakt ist, du musst aktiv wesentlich mehr als noch vor wenigen Jahren dafür tun, um gesehen zu werden. Sei es Geld in die Hand zu nehmen, um die Sichtbarkeit deiner Videos oder Bilder zu forcieren oder eben an verschiedenen Stellschrauben arbeiten, die dich zwar keinen finanziellen Invest, dafür aber wertvolle Zeit kosten. Wie man Letzteres umsetzen kann und warum man das so machen muss, beschreibe ich nun in einem kleinen Exkurs.

Exkurs – der Instagram Algorithmus

Manche Quellen behaupten, es gäbe gar keinen Instagram Algorithmus. Ob das nun mathematisch gemeint ist oder eher als eine organisatorische Sache angesehen werde kann, spielt aber auch keine Rolle. Tatsache ist, dass das Unternehmen die folgenden Punkte bereits mehrfach offiziell kommuniziert hat. Suche einfach mal nach den folgenden Schlagwörtern: “Instagram product lead Julian Gutman” oder auch “instagram Interest, Recency, Relationship, Frequency, Following, Usage“.

Die Ranking Faktoren werden vermutlich wie vieles in den sozialen Medien dynamisch sein. Daher nimm bitte diese Liste hier nicht eins zu eins auf, sondern sieh es eher als Trend an. Es kann höchstens nur eine Tendenz aufzeigen, die ich aus meiner eigenen vermutlich unwissenden und unvollständigen Recherche und verschiedenen geäußerten Vermutungen anderer Leute, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben, gewonnen habe. Wäre es anders, würde ich wohl bei Facebook arbeiten. Ach, eine Sache darfst du bei den folgenden Punkten nicht vergessen. Authentizität! Sei bei allem, was du machst authentisch. Es gibt nichts schlimmeres als Masken, die du aufsetzen musst.

  1. Dein eigenes Interesse ist eine Grundlage für deinen eigenen Feed. Je mehr du Beiträge von z.B. alten analogen Kameras kommentierst oder “likest” “likst” (Oh Mann, konjugiert man wirklich so ein englisches Verb im Deutschen?!), desto mehr werden dir Beiträge und Accounts, die sich mit demselben Thema beschäftigen, vorgeschlagen. Somit wird deine eigene Blase geschaffen. Die Länge deiner Verweildauer bei einem einzelnen Beitrag wird übrigens auch gemessen und berücksichtigt. Je länger diese ist, desto höher steigt das Ranking des Beitrages. Instagram merkt sich eben alles, was du machst. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass die Nutzungsdauer deiner eigenen Beiträge entscheidend für dein Ranking ist. Dazu musst du deine Beiträge interessant genug gestalten, womit wir bei der Qualität der Beiträge oder auch dem Nerv der Zeit, den du treffen musst, wären. Deswegen funktionieren Videos übrigens auch so gut. Um diesen Faktor für dich auszunutzen können dir längere und erzählende Bildunterschriften helfen. Erzähle eine Geschichte, die interessant ist und zu dem Bild passt. Im Prinzip schaffst du die Grundlage dafür, deinem Follower einen Grund zu geben, länger bei deinem Beitrag zu bleiben und öfter bei dir vorbeizuschauen. Oder poste mehr Videos oder Bilder Slideshows. Die Wahrscheinlichkeit einer höheren Verweildauer deiner Follower steigt dadurch auch.
  2. Interaktion ist der zweite Baustein, den du brauchst, um mit deinem Account “erfolgreicher” bei Instagram zu werden. Es ist fast wie im wahren Leben, es geht doch nichts über Beziehungen. Nur dass Instagram nicht die Menschen dahinter sieht, sondern eher daran interessiert ist, dich länger vor dem Bildschirm zu halten. Je mehr dir z.B. Bilder oder Videos von Waschmaschinen oder Autos gefallen und du diese auch noch kommentierst, ähnliche Accounts taggst (verlinkst), desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass zukünftige Beiträge dieser Accounts höher in deinem Feed gerankt werden als andere und dadurch präsenter für dich werden. Dadurch erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass du länger am Smartphone kleben bleibst. Alles was dich interessiert, gewinnt deine Aufmerksamkeit. Das bedeutet aber auch eine Chance für dich. Offensichtlich ranken Kommentare höher als Likes. Daher sollte dein Ziel sein, deine Follower zum Kommentieren zu bewegen. Im Marketing Jargon spricht man hier an dieser Stelle von einer sog. “Call-to-action” Funktion, die man nutzen muss. Das ist eine konkrete Handlungsaufforderung. Beispiele dafür gibt es massig bei größeren, kommerziellen Accounts. Gewinnspiele, Umfragen, Rätsel, Meinungsumfragen sind nur einige Beispiele dafür. Es ist so simpel.
  3. Die Aktualität und die Nutzungshäufigkeit sind weitere wichtige Faktoren. In deinem Instagram Feed werden die Beiträge der Accounts denen du folgst schon lange nicht mehr chronologisch angezeigt. Was wenige wissen, die Nutzungshäufigkeit deiner eigenen Instagram App spielt dabei eben auch eine Rolle. Es gibt mit Sicherheit noch andere Faktoren, die die Aktualität deines Feeds beeinflussen, aber das hier ist wenigstens offiziell von Facebook bestätigt worden. Je öfter und regelmäßiger du die App öffnest und dir deinen Instagram Feed anschaust, desto kürzer sind die zeitlichen Unterschiede in der Aktualität der Beiträge und je seltener die Nutzung ist, desto älter und unvollständiger sind diese. Im Umkehrschluss bedeutet dass, wenn du täglich mehrmals und regelmäßig deine Instagram App benutzt, wirst du mit aktuelleren Beiträgen der Accounts,  denen du folgst dafür belohnt. Das Ziel dieser Strategie liegt auf der Hand: “Bitte bleibe so lange wie möglich online”, spricht dir Instagram zu.

5 analoge Lösungen, um nicht zu ertrinken

Kommen wir zum eigentlichen Thema meines Artikels. Es mag etwas absurd klingen. Jetzt wo ich dich darüber informiert habe, wie Instagram funktioniert und wie du vielleicht doch noch die ersehnten Millionen Follower erzielen könntest, rate ich dir dazu, es nicht zu machen? Ja, genau das meine ich. Achte auf dein Künstler Herz und pfeife auf Instagram. Und beschäftige dich mit dem Thema Selbstdisziplin. Disziplin und Kreativität sind keine  Widersprüche.

  1. Zeit: Machen wir uns nix vor. Wir verbringen einfach zu viel Zeit in den sozialen Medien. Wer das Gegenteil behauptet, vor dem verneige ich mich jetzt schon. Daher mein Tipp Nr. 1: nimm dir gezielt Zeit für die sozialen Medien, falls du wirklich dabei bleiben willst. Fühl dich nicht gedrängt, immer online und aktuell sein zu müssen, nur weil gerade eine neue Benachrichtigung auf deinem Smartphone aufpoppt. Die Frage ist doch, wer kontrolliert hier wen? Ich weiß, das ist einfacher gesagt, als getan. Ich selber nutze oft die im iPhone integrierte Möglichkeit der “Auszeit”, bzw. “App-Limits” in den “Bildschirmzeit” Einstellungen, mit der ich für bestimmte Zeiträume bestimmte App-Gruppierungen für mich nicht zugänglich mache. Einmal im Jahr mache ich sogar eine Radikal Kur und lösche alle Apps und bleibe für eine Zeit offline. Anders schaffe ich es halt nicht. Eine weitere Möglichkeit, die auch Selbstdisziplin voraussetzt ist, dir einfach eine bestimmte Zeit in der Woche, z.B. Donnerstag zwischen 18 und 20 Uhr als Online Zeit zu reservieren. Der entscheidende Punkt hier ist, DU willst wieder die Oberhand über deine online Freizeit gewinnen. Wenn du erst mal mit der Quantität anfängst, folgt danach fast schon automatisch die Qualität der Inhalte.
  2. Apropos Follower: es macht einfach keinen Sinn, jedem zu folgen und alles mitbekommen zu wollen. Wähle DU aus, was in deinem Feed zu sehen ist. Reduziere die Anzahl der Leute, denen du folgst. Ich weiß, manchmal denkt man, bestimmte Freunde und Bekannte würden sauer werden, wenn sie mitbekommen, dass man ihnen ent-folgt. Aber die wirklich guten Freunde verstehen das und vermutlich sind das auch die einzigen Inhalte, die wirklich relevant für dich sind. Wenn du die Anzahl deiner Kontakte nicht reduzieren kannst wäre die Alternative, dass du deinen Feed einfach ignorierst und dir eine handvoll Fotografinnen und Fotografen aussuchst, denen du aktiv und manuell folgst. Pick dir die Menschen heraus, die du bewunderst, schreib sie in eine Liste zusammen, suche gezielt nach Menschen, die du magst und deren Werke und Texte du toll findest und dich inspirieren und schaue sie dir gezielt an. Das entspannt und du gewinnst dadurch auch mehr Qualität in deinem Input.
  3. Apropos Qualität: ohne jetzt tiefer in eine Input-Output-Analyse gehen zu wollen ist es glaube ich kein Geheimnis, dass der Input aus den sozialen Medien im linearem Verhältnis zu dem eigenen Output steht. Sprich, das womit ich mich beschäftige, wird mich beeinflussen. Die Frage ist, welche Qualität soll mein eigener Output denn haben? Daher ist es nur sinnvoll, den Input dementsprechend zu verändern. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das auch auf deine eigenen Bilder auswirken wird.
  4. Bilder: um Feedback zu den eigenen Bildern zu bekommen, muss man diese erst mal jemandem zeigen. Das muss nicht immer online sein, zumal Instagram und Facebook oft ohnehin nicht für Bildkritik geeignet sind. Eine Möglichkeit dafür ist, die Bilder regelmäßig einer ausgewählten Gruppe von persönlichen Kontakten zu zeigen und gezielt nach einer kritischen Rückmeldung zu fragen. Eine weitere Möglichkeit ist, die eigenen Bilder auszustellen. Eine Ausstellung ist eine wundervolle Chance mit anderen Leuten über die eigenen Bilder zu sprechen und andere Meinungen einzuholen. Ich habe das nun in den letzten beiden Jahren einmal 2018 in Nürnberg im Rahmen der 141analog Gruppenausstellung und in 2019 im Rahmen der Kunstnacht in Selb getan und plane aktuell für 2020 eine Frankfurter Ausstellung mit unserem Streetfotografie Kollektiv Collateraleyes. Ausstellungen sind allerdings etwas aufwändig und setzen auch eine finanzielle Investition voraus. Es muss daher nicht immer eine große, öffentliche Ausstellung sein. Wie wäre es mit einer Wohnzimmer Ausstellung, mit der du persönliche Freunde und Bekannte zu dir nach Hause einlädst? Das ist viel einfacher umzusetzen und schafft vor allem eine besondere Atmosphäre, die dir als Fotografin und Fotograf auch im eigenen Selbstwert gut tun wird.
  5. Selbstwert: der schwierigste Teil, den ich hier anspreche ist der eigene Selbstwert als Fotografin und Fotograf. Warum? Weil das Vergleichen mit anderen in der Natur des Menschen liegt und durch die sozialen Medien so einfach geworden ist. Hier habe ich leider keine allgemein gültige Lösung für dich. Mir persönlich hilft da nur selbst disziplinierte Distanz von den sozialen Medien und mir jeden Tag aufs Neue zu vergegenwärtigen, dass meine Arbeit als Fotograf nicht abhängig von anderen ist. Die Überzeugung, dass du als Fotograf gut genug bist, so wie du bist, aber dennoch nicht perfekt, ist wohl das Ziel. Die Frage ist, was tut deinem Künstler Herzen gut? Wie schaffst du es, kreativ zu bleiben, ohne kopieren zu müssen. Dinge, die in erster Linie nichts mit Fotografie zu tun haben, sind meines Erachtens auch entscheidend für die eigene Kreativität. So klischeehaft es auch klingen mag, es geht um wollen statt müssen. Sich Zeit nehmen für die wichtigen Dinge des Lebens, ein Waldspaziergang, sich mit den richtigen Menschen umgeben, Orte besuchen die interessant sind oder einfach auch nur nichts tun können ebenso hilfreich sein. Und natürlich auch Weiterbildung. Ich sag mir immer, der Tag, an dem ich behaupte, ich könnte in der Fotografie nichts mehr lernen, ist auch der Tag, an dem ich die Fotografie aufgeben werde.

meine Entscheidung

Ich zeige seit Monaten schon keine Bilder mehr bei Instagram oder in Facebook Gruppen. Ab und an überkam es mich mal kurz und ich nutzte die Instagram Stories oder teilte die “Erinnerungen”, die einem von Facebook regelmäßig präsentiert werden. Aber so richtig aktiv bin ich nicht mehr und ich vermisse es auch nicht. Die 5 Lösungen, die ich dir beschrieben habe, setze ich für mich mehr oder weniger immer besser um. Wichtig ist vor allem der letzte Punkt und meiner subjektiven Einschätzung nach, mache ich auch da Fortschritte. Ich vergleiche meine Bilder nicht mehr so oft und bin auch nicht mehr so stark von anderen Meinungen abhängig, was ich nun als nächstes fotografiere. Ich habe das Gefühl, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Kurz gesagt, ich verbringe tendenziell weniger quantitative Zeit, aber dafür mehr qualitative Zeit in den sozialen Medien. Dafür akzeptiere ich, dass meine eigene Sichtbarkeit bei Instagram und Facebook verschwindend gering bleibt. Aber ich bin damit glücklich, weil ich eine Entscheidung getroffen habe, die zu mir passt. Ich werde zwar in unregelmäßigen Abständen auch wieder Bilder auf Instagram und Facebook zeigen, aber das wird nicht mein Schwerpunkt sein. Ich werde mich nun wieder mehr auf meine eigene Website stützen und sowohl hier im Blog, als auch auf filmpixel.photography oder bald auch auf slunjski.de  bald mehr Fotos zeigen.

Bei all meinen Gedanken muss man eine Sache berücksichtigen. Ich spreche hier als Privatperson. Ich besitze zwar auch ein Gewerbe im Nebenberuf, bin also auch Einzelunternehmer und trete damit auch in den sozialen Medien mehr oder weniger anders auf und vermutlich sind die Grenzen da an vielen Stellen eher verschwommen, aber prinzipiell geht es mir hier um die privaten und persönlichen Inhalte in den sozialen Medien. Als Einzelunternehmer habe ich ganz andere Motivationen. Diese können mich als Privatperson zwar auch streifen, müssen es aber nicht zwangsläufig.

Ein weiterer Punkt der bei all dieser Überlegung wichtig ist, ist der psychologische Faktor. Wie ich mich fühle und wie ich meinen Selbstwert einschätze, sind mir wichtiger als das Ranking in den sozialen Medien. Ich nehme das auch im Bezug auf mein Nebengewerbe in Kauf. Andere Menschen ticken da anders und haben unterschiedliche Prioritäten und das ist auch gut so. Ich bin nun mal un-perfekt und haben Defizite, zu denen ich auch stehe. Die Narben aus dem Zeitraum, in dem ich einen Burnout erlebt habe, schmerzen noch. Mir das selber einzugestehen hat mich ganz viel Zeit und Kraft gekostet. Aber mittlerweile empfinde ich das sogar als Vorrecht, da ich dadurch wachsamer geworden bin.

tl;dr

Die vorherigen 5 Lösungen sind im wesentlichen Resultate aus meinen persönlichen Fragen, die ich mir gestellt habe, warum ich das tue, was ich tue. Unabhängig davon, wie exakt meine Recherche und Analyse zum Instagram Thema war und wie richtig oder falsch meine  persönlichen Einschätzung für dich aussieht, entscheidend ist was DU willst. Es geht um Zeit, um den Selbstwert als Freizeit Fotografin und Fotograf und vor allem darum, wie du vielleicht mit einem neuen Schritt wieder die Oberhand über die Qualität deiner online Freizeit und vor allem deiner eigenen Kreativität wiedergewinnst. Fragen, die dir dabei helfen können, zu einer vernünftigen Entscheidung zu kommen, könnten so aussehen. Meine Empfehlung: nimm dir reichlich Zeit für dich und sei ehrlich zu dir selber und allem voran: schalte dein Smartphone dabei aus!

  • Welches Ziel verfolgst du mit den sozialen Medien? Was willst du mit deinen Bildern oder Videos erreichen? Welche Bestätigung suchst du?
  • Welche Kompromisse bist du bereit einzugehen?
  • Wie viel Zeit hast du (noch)? Was bist du bereit dafür aufzugeben. Ein Tag hat nun mal nur 24 Stunden.
  • Wer soll wen kontrollieren? Dein Smartphone dich oder du dein Smartphone? Schaffst du es wirklich, offline zu bleiben? Falls nein, warum?
  • Was passiert, wenn du mal NICHT mitbekommst, was die soziale Medienwelt online macht? Und kannst / willst du damit leben?
  • Hast du den Mut eine Entscheidung mit allen Konsequenzen zu treffen?
  • Erinnere dich an deine erste Liebe in der Fotografie. Was hat dich damals begeistert? Warum fotografierst du?
  • Welche Künstler bewunderst du und warum?
  • Was willst du mit deinen Bildern ausdrücken/erreichen?
  • Und schlussendlich: wann hast du das letzte mal einen Tag lang einfach nichts getan?

Im Bezug auf den Umgang mit den sozialen Medien als Fotografin und Fotograf, ist es meiner Meinung nach wichtig, das Konstrukt “social Media” als Hilfsmittel anzusehen und nicht als zentralen Dreh- und Angelpunkt. Die größte Gefahr, die es dabei für ein Künstler Herz gibt, ist neben der Zeitverschwendung das Vergleichen mit anderen Fotografen. Es wird immer einen “besseren” Fotografen geben. Die Frage ist doch, ob der eigene Selbstwert dadurch wirklich bestimmt werden muss? Ich kenne viele  ausgezeichnete Fotografen, die auch heute noch nicht einmal einen Facebook oder Instagram Account haben und sie haben dennoch Spaß an der Fotografie und können schöne Fotos produzieren.

Abschluss

Ob nun offline oder online, ich wünsche dir Zeit für dein Fotografen Herz und ich wünsche dir die Qualität, die du dir für deine Bilder erhoffst. Und ich wünsche dir, dass dein Smartphone und die sozialen Medien dir dabei helfen. Ob nun offline oder online. Und ich freue mich natürlich auch über jede Rückmeldung oder auch Fragen zu meinem Artikel.

9 Kommentare

Kommentieren →

Ich schreibe Dir einen langen Brief, weil ich keine Zeit habe, einen kurzen zu schreiben. (Goehte)

Der Kommentar ist das Brot des Bloggers. Und weil wir alle hungrig sind, kommentiere ich einen wunderbaren Blogpost sehr gerne.
Du schreibst von Feedback – und von Likes. Die Kombination erzeugt bei mir ein Stirnrunzlen. Da gibt es aus meiner Sicht einen Unterschied. Wenn meine Nichten Instagram öffnen, dann liken sie jedes Bild von mir. Komplett egal was es ist. Sie verstehen nicht mal den Titel – denn die beiden Lieben leben in den USA und können kein Deutsch.
Dagegen habe ich ein paar wenige Freunde in der virtuellen Welt, die geben nicht nur einlike sondern schicken auch mal einen kurzen Kommentar auf die Reise. Das ist mir dann am Ende viel viel mehr Wert als die vielen Likes aus den USA.
Jetzt ist das ziemlich egal, ob das Instagram, Facebook oder XYZ ist, der schnelle Like und der geschrieben Kommentar haben für mich eine andere Qualität. (Ich freu mich auch über Likes… noch mehr aber über Worte)

Diese Erkenntnis habe ich seit ca. 2 Jahren. Seit dem habe ich mich aus den sozialen Medien zurückgezogen. Ich poste noch, ich kommentiere auch, dann wenn es mir wichtig ist. Vor allem bei den Menschen die mir wichtig sind.
Aber ich vergleiche mich nicht mehr so sehr, ich kenne meine Schwächen, meine Stärken und meine Lernfelder die ich gerne bearbeiten möchte.
Am Ende geht es doch um die Frage: Warum fotografiere ich?

Giere ich nach Anerkennung (Likes), will ich damit Geld verdienen (Reichweite) oder möchte ich mich verbessern (Feedback)?

Ich bin primär der Familienfotograf, der die Aufgabe hat die Grundlage für die jährlichen Fotoalben der Kinder zu füllen. Als Nerd benutze ich dazu nich das iPhone oder eine Einsteigerkamera sondern ein sexy Fuji mit viel zu vielen Objektiven. Ab und an treffe ich Menschen mit dem identischen Gendefekt “GAS” um ein bisschen zu quatschen.
Seit dem ich das erkannt,verstanden und akzeptier habe, habe ich meine Zeit in den sozialen Medien drastig reuziert. Die iPhone Bildschirmzeit reduziert sich (meist) Woche pro Woche.

Mich stresst Instagram (und andere Plattformen) mit Stories, Chats und Interaktionen. Ich liebe den Blog. In Ruhe zu lesen, auch später – versuch mal ein Bild von vor 45 Sekunden auf Instagram wiederzufinden. Chancenlos!
Ich bekomme nur noch von wenigen Plattformen aktiven Benachrichtigungen, am liebsten würde ich hier noch weiter reduzieren, aber ohen Whatsapp geht es (noch) nicht.

Deine Zeilen sind sehr offen und sehr ehrlich. Ich freue mich sehr wieder was von dir Lesen zu düerfen und auch über die Aussicht wieder noch mehr lesen und sehen zu können. Mir war nicht bewusst, welche Verführung die digitalen (sozialen) Medien auf dich hatten – hab ich doch immer nur den analogen, entschleunigten Ivan gesehen.
Ich hoffe für Dich, dass dieser Weg nun für dich in die bessere Richtung geht.
Bleib bei dir.

lg, oli

Hallo lieber Oliver,

vielen Dank für dein „Brot“. Ja da hast du was richtiges gesagt, wir haben alle Hunger und wir Blogger freuen uns über jeden einzelnen Kommentar. Ich werde nun, seit ich wieder blogge und weniger auf Instagram, Facebook & Co. unterwegs bin, auch meinen eigenen Blogfeed aktualisieren und behutsam und bewusst, aber dafür regelmäßig lesen und kommentieren. Das ist etwas, was ich wirklich bereue, dass ich die Blogs durch die starke Präsenz der sozialen Medien in meiner Freizeit vernachlässigt habe.

Deine Gegenüberstellung von Feedback und likes finde ich richtig gut. Mir ist zwar klar, dass likes kein Feedback sind, aber ehrlich gesagt habe ich so explizit nie darüber nachgedacht. Ein wirklich lohnenswerter Gedanke. Danke schon mal vorab dafür.

Interessanterweise höre ich tatsächlich ausnahmslos die selben positiven Effekte, wenn sich Leute aus den sozialen Medien zurückziehen. Gerade bei Fotografen wird dann plötzlich die eigene Frage, warum sie das machen, was sie machen viel effizienter und ehrlicher beantwortet. Ich kann dir gar nicht beschreiben wie sehr ich mich über deinen Kommentar freue. Es zeigt mir einfach wieder auf, dass ich mit dem Ganzen hier auf dem richtigen Weg bin.

Ich glaube auch, dass es wesentlich mehr Sinn macht, mich für eine kleine Handvoll wertvoller Menschen in den sozialen Medien intensiv zu interessieren als den besagten anonymen 10.000 Followern hinterher zu jagen. Aktuell mehr denn je.

Und ja, ich bin auch gerade dabei, mich zu fragen warum ich das mache, was ich mache. Immer noch. Gut, ich glaube das wird ein Prozess bleiben, denn ich mach das schon sehr lange. Aber ohne das laute Toben in den sozialen Medien ist das im Moment wirklich einfacher. Und auch wenn ich ein analoges Herz habe, so bin ich doch nicht ganz von den Risiken der Digitalisierung gefeit – Nerd bleibt nun mal Nerd – und schon gar nicht von den Nebeneffekten des „Gendefekts“ GAS 😉

Ich freu mich schon sehr auf unser nächstes Treffen.

Bis bald & Liebe Grüße,
Ivan

Lieber Ivan,

deine Artikel hat mich wirklich zum Nachdenken angeregt. Vor allem weil ich gerade in jüngster Zeit auch massiv mehr Zeit und auch etwas Geld in Instagram stecke als zuvor. Ich habe mir aber auch einige deiner Fragen gesellt und selber gemerkt, dass ich schon auch auf eine beachtliche Nutzung der App komme (zumindest aus meiner Sicht). Auch merke ich, dass es was mit mir macht. Habe ich keine aktuelle Story Online überlege ich auch schon was als nächste gepostet wird. Das macht Druck. Passt mein Foto nun in meinen Feed oder doch lieber ein anderes? Gedanken die mich eher einschränken als mir nutzen. Klar möchte ich einen ordentlichen Feed und natürlich auch Feedback und Instagram hat mir so gesehen auch schon viel gebracht. Es hat mir auch Wege geöffnet und ich bin mit Interessanten Menschen in Kontakt gekommen bishin zu realen Treffen. Das will ich auch gern weiterhin so haben. Aber ich muss mein Verhalten besser in den Griff bekommen. Deine Tipps sind da auf jeden Fall sehr hilfreich. Ich werde mir zunächst feste Rahmen setzen wann ich es nutze und versuchen es wieder besser unter Kontrolle zu halten. Nicht dieses ständige: Ich gucke mal schnell was es neues gibt. Hier mal kommentieren und da mal usw. Dieses “zwischendurch” ist fatal und kann und tut oft auch von vielen andern Dingen ablenken oder von Menschen mit denen man zusammen ist. Das ist einfach nicht gut.

Ich danke dir für diesen Artikel. Ich werde mir die Punkte auf jeden Fall mal notieren und schauen wie ich was für umsetzten kann ohne gänzlich auf IG zu verzichten zu müssen. Übrigens, die Facebook Gruppen bespiele ich auch schon länger nicht mehr sehe regelmäßig weil es mich tatsächlih stresst und schnell zu aufwändig wird. Hier werde ich mich in Zukunft auch nur noch auf einige wenige beschränken. Zwar wieder regelmäßiger aber kontrollierter.
Auch Projekte wie die eigene Website und einen Blog habe ich schon so lange geplant aber noch nicht umgesetzt aus “Zeitmangel”. Da möchte ich gern viel mehr Zeit rein stecken als in Instagram. Somal mir Schreiben auch viel Spaß macht. Gut in diesem Sinne nochmal danke und fürs erste lange genug kommentiert

Hallo lieber Stefan,

Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich glaube genau der Punkt, den du beschrieben hast, ist der negativste Aspekt mit den sozialen Medien, jedenfalls bei Fotografen. Wenn die eigene fotografische Arbeit unter dem Druck leidet oder sogar beendet wird. Ich kenne Fotografen in meinem näheren Umfeld, die leider sogar deswegen mit der Fotografie komplett aufgehört haben, weil sie diesem Druck nicht mehr standhalten konnten. Das Vergleichen mit anderen Fotografen ist so einfach und liegt glaube ich auch ein bisschen in der Natur des Menschen. Aber gesund ist das definitiv nicht. Wir verlieren dadurch unsere Individualität, wenn der Maßstab unseres Handelns ein anderer Mensch ist.

Sich selber treu zu bleiben, auf seine eigene fotografische Stimme zu hören, in dem lauten Toben der sozialen Medien, ist wirklich nicht einfach. Ein befreundeter Fotograf schrieb mir sogar zu meinem Artikel, dass er seine Instagram und Facebook „Karriere“ bewusst deswegen aufgegeben hat und mittlerweile viel authentischer in seinem eigenen Bildern ist. Er weiß nun warum er fotografiert und was seine eigene Bildsprache ist. Das konnte er unter dem lauten Druck in den sozialen Medien nicht erkennen, weil er kaum Zeit dafür hatte.

Und ja, es ist nicht alles schlecht was im Internet ist. Natürlich gibt es auch sehr viele positive Aspekte. Ich habe auch sehr viele Menschen durch die sozialen Medien kennengelernt, die ich sehr schätze. Dich zum Beispiel! Der Kontakt zu den Leuten, die unsere Photowalks besuchen, entstand ja irgendwie über unsere Facebook Gruppe.

Ich glaube die entscheidende Frage ist tatsächlich, warum mache ich das was ich tue. Und dann muss man sich nur fragen, ob man das will oder nicht. Ich meine wirklich will. Instagram hat auch etwas mit mir gemacht. Ich habe die selben Bewegungen in mir gespürt wie du. Diese Phase, wenn man ein Bild veröffentlicht hat und sich aufgrund der Reaktionen überlegt, was für eine Art Foto mal als Nächstes produziert, nur damit es genauso wieder gut ankommt, hab ich auch mal erlebt. Ich fand es furchtbar und bin froh, nicht mehr davon abhängig zu sein.

Und ja, ich glaube Projekte wie deine eigene Website und einen Blog weiterzuführen sind wesentlich wichtiger als die Präsenz in den sozialen Medien. Eine sehr gute Idee! Ich freue mich schon auf mehr Input auf deinem Blog.

Danke für deine Worte und bis bald.
Liebe Grüße, Ivan

Hallo Ivan!
Wow ich bin sehr beeindruckt von deinem Artikel und deiner Selbstreflektion.
Tja Social Media, Fluch und Segen zugleich? Also ich hatte auch vor circa zwei Jahren mal eine Phase wo ich dachte 10.000 Follower müsste doch ein Klacks sein für mich. Pustekuchen! Nach allerlei Anstrengungen bin ich kläglich gescheitert. Es hat einfach nichts gebracht sich zu bestimmten Zeiten den Wecker zu stellen und Bilder zu posten. Alles Blödsinn Und es kam sehr schnell die Erkenntnis dass Follower und likes nichts aber auch gar nichts mit guter Fotografie zu tun haben.
Und obendrein kommt auch noch das ich überhaupt nicht genug gute Bilder habe um 2-3 pro Tag zur posten. Wer braucht so viele Bilder überhaupt???
Gut dass ich selbst drauf kam. Und so ist es mit den anderen sozialen Medien ähnlich. Diese ganzen Gruppen bei Facebook. Mal ehrlich was soll das bringen wenn da Tausende Mitglieder drin sind. Außerdem kritisiere ich nicht gerne Bilder von anderen Menschen. Ich denke wir sind alle Individuen und das ist auch gut so.
Trotzdem muss ich sagen finde ich nicht alles negativ. Den Umgang damit muss glaube ich jeder selber für sich dosieren. Ich poste bei Instagram und Facebook nicht mehr als einmal die Woche. Bei Twitter schaue ich täglich rein, aber es macht mir auch Spaß. Im Prinzip nutze ich es als Werkzeuge. Mein Fokus liegt auf echten Bildern. Aber das weißt du ja bestimmt.
Mein lieber ich denke das wir uns in Zukunft bestimmt mal treffen werden.
Ganz toller Blog Post ich ziehe meinen Hut.
Pass auf dich auf Ivan
Gruß Ralf

Hallo Ralf,

vielen Dank für deine lieben Worte!

Genau, du triffst es auf den Punkt. Soziale Medien sind Fluch und Segen zugleich. Deswegen bin ich ja auch so oft hin und hergerissen. Aber ich glaube mittlerweile ist meine Tendenz sehr gesund.

Wir haben übrigens in unserem Kollektiv die selbe Erfahrung gemacht. Wir hatten mal einen Testballon gestartet und in einem Zeitraum von ich glaube drei Monaten mal täglich drei Bilder auf Instagram gepostet. Der Aufwand im Vergleich zu dem erhofften Ergebnis war riesig. Aber mittlerweile verstehe ich auch warum das keinen Erfolg brachte. Der Algorithmus auf Instagram funktioniert nun mal anders als gedacht. Es gehören noch andere Aspekte dazu, aber das hatte ich ja in meinem Artikel beschrieben. Doch gerade deswegen ist das Verhältnis einfach schief, wenn man Aufwand und Nutzen gegenüberstellt. Wenn ich befreundete Fotografen anschaue, welchen immensen Aufwand sie auf Instagram betreiben, gerade mit den Live Stories und dennoch seit Ewigkeiten „nur“ unter der 10K Follower Marke bleiben, frage ich mich immer, ob das wirklich gerechtfertigt ist.

Und ja, mittlerweile glaube ich, dass die Qualität der Follower wesentlich entscheidender ist. Wenn ich nur zehn Leute für meine Arbeit begeistern kann, aber regelmäßig mit diesen zehn Leuten im Austausch stehe, ist mir das heute viel wichtiger als diese besagten anonymen 10K Follower.

Und wir sind ja alle mehr oder weniger in einem Lernprozess. Selbst die kurze Zeit nach meinem Artikel hat, aufgrund der vielen intensiven Rückmeldungen dazu, die ich per E-Mail, WhatsApp, auf Facebook oder auch hier im Blog erhalten habe, zum Nachdenken angeregt. Das ist das Schöne an den sozialen Medien.

Und du hast natürlich vollkommen recht. Es ist nicht alles negativ. Ich tendiere manchmal dazu alles überspitzt zu sehen. Aber auch wenn es viele Risiken und negative Aspekte in den sozialen Medien gibt, gibt es doch auch sehr viele positive. Wir beide zum Beispiel haben uns über die sozialen Medien kennengelernt. Das ist definitiv etwas Positives. Ich freu mich schon darauf, dich irgendwann mal auch mal persönlich kennen zu lernen.

Danke dir für deine Worte.
Bis bald und liebe Grüße, Ivan

Schöner Artikel, vielen Dank! – Themen, die uns (Fotografiebegeisterten) auf irgendeine Weise alle berühren. Ich habe mich an den Social Media auch abgearbeitet und tue es noch. Dabei bin ich aber grundsätzlich zu dem Ergebnis gekommen, dass fb und Insta einfach schlechte Orte sind: Masse, Filterblasen, Kommerz, keine Qualität.Was bedeutet da also ein Like für mein Foto? Eine Aussage über die Qualität sicherlich nicht. Ich glaube, man muss sich selbst positionieren, einen Standpunkt finden und ihn vertreten. Und: Sein Heil viel öfter in der Welt da draußen, im “echten” Umgang mit Menschen suchen.
Meine eher “küchenphilosophischen” Gedanken dazu gibt`s hier: https://alleaugenblicke.de/auf-eine-kurze-story/

Liebe Grüße,
Werner

Hallo Werner, vielen Dank für dein Kommentar. Ich habe mir deine “küchenphilosophischen” Gedanken gerne durchgelesen. Wobei ich diesen Begriff nie verwendet hätte. Ich bin der Meinung, auch wenn man nie Psychologie studiert hat, sich für Menschen aber interessiert und einen halbwegs wachen Verstand und gesunde Beobachtungsgabe hat, kann man doch über seine Erkenntnisse sprechen und sich austauschen.

Mit dem Punkt, dass wir “unsere eigene Marke” unter die Leute bringen wollen, hast du einen wichtigen Punkt angesprochen. Heutzutage ist gefühlt jeder “irgendwas”. Das beste Beispiel ist, früher war man Einzelunternehmer, selbständig oder einfach nur freischaffend. Heute ist ein Titel wie Entrepreneur, Solopreneur fast schon wichtiger, als der eigene Name. Was man tut ist wichtiger, als wer man ist. Überspitzt formuliert. Das sieht man schon an vielen Kurzbiographien in den sozialen Medien (ich nehm mich da nicht raus). Ein Beispiel: vor einigen Jahren noch, als Twitter den wortgewandten Intellektuellen, die in der Kürze wirklich was zu sagen hatten vorbehalten war, las man oft nur den Namen oder eine witzige Metapher zur eigenen Person in Form eines Satzes oder Kraftausdruckes in der Kurzbio. Heutzutage ist jeder “irgendetwas” und präsentiert eine eigene Marke, die er (oder sie) mit einem eigenen Webauftritt glaubhaft vertreten will. Wie gesagt, ich nehme mich da auch nicht heraus. Aber ich hinterfrage das nun sehr bewusst und vielleicht schaffe ich es auch, dem Ganzen wieder komplett den Rücken zu kehren. Was mich aber freut, gerade auch aufgrund solcher Kommentare ist der Punkt, dass es doch richtig ist, mehr auf das zu achten, _wer_ man ist, anstatt darauf zu bauen, _was_ man tut.

“Hi! Ich bin Ivan und in meinem Alltag fotografiere ich”, klingt doch viel schöner als “Hi! Ich bin Fotograf und mein Name ist Ivan.”

Danke für diesen Impuls. Einmal mehr eine Bestätigung, dass ich mit meinen eigenen Gedanken auf dem richtigen Weg bin.

Liebe Grüße,
Ivan

Schreibe einen Kommentar