Was macht ein gutes Foto aus?

“Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.” – Henri Cartier-Bresson

Genau dieses Zitat ging mir durch den Kopf, als ich letztes Jahr im Dezember an einem Sonntag mit einigen meiner Hochzeitsfotos bei einer Mappensichtung war. Und ich fragte mich, ist es tatsächlich so einfach, wie es uns der gute Herr Cartier-Bresson versucht glaubhaft zu machen?

NadineDaniel-260Diese Frage ist nicht neu und ich werde mir nicht anmaßen, eine Antwort darauf zu haben. Es sind nur ein paar Gedanken, die mir dazu einfielen. Ich kam nebenbei gesagt durch Zufall auf diesen “Workshop” von Georg Banek. Als ich vor einiger Zeit sein (übrigens sehr empfehlenswertes) Buch “Gesichter fotografieren” gekauft und gelesen habe, stöberte ich aus Neugierde durch die Angebote der artepictura-akademie.de und dabei fiel mir eben diese Möglichkeit zur Mappensichtung auf. Ich habe mich spontan angemeldet, obwohl ich noch gar keine Ahnung hatte, was mich da erwarten würde.

_DSC6221Warum also eine Mappensichtung?
Wer wie ich als Quereinsteiger zur Fotografie gekommen ist und weder den Beruf des Fotografen als Ausbildungsberuf erfahren, noch in einem artverwandten künstlerischen Bereich studiert hat, wird mit größter Wahrscheinlichkeit noch nie eine professionelle Mappensichtung miterlebt haben. Jedenfals ging es mir so. Daher konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, was bei einer Mappensichtung alles so passiert. Aber zum Glück bin ich neugierig genug. Und da es nix kostete, hatte ich ja auch nix zu verlieren. So dachte ich jedenfalls. Dass der Inhalt und die konstruktive Kritik mich aber so zum Nachdenken gebracht haben, hätte ich nicht geglaubt. Aber eins nach dem anderen.

NadineDaniel-77Warum kann eine Mappensichtung wichtig sein?
Natürlich will jeder Fotograf ein Feedback über seine Arbeit haben und natürlich reicht es meistens nicht aus, einfach nur ein “toll” oder “schön” zu hören. Auch wenn wir dieses simple Lob täglich brauchen, wissen wir doch im Grunde, dass wir mehr wollen. Jeder der realistisch genug ist, wird wahrscheinlich zustimmen, dass man in der Fotografie nie wirklich angekommen ist, sondern immer dazulernen kann. (Und falls jemand meint angekommen zu sein, herzlichen Glückwunsch zu diesem Glauben. Ich persönlich habe diesen nicht.)

Fortschritte kann man nur machen, wenn man ein konstruktives Feedback über die eigenen Bilder erfährt. Und ich glaube, dass dies am besten von einer Person kommen sollte, die unvoreingenommen ist und Ahnung von der Materie haben sollte. Freunde und Verwandte sind zu subjektiv und meistens viel zu nett für solch ein Feedback.

NadineDaniel-239Die ernstgemeinte, lebende Fotografie handhabt es doch genauso wie alle anderen Bereiche unseres Lebens. “Sie” ist Teil unseres Lebens. Wir werden älter und sehen die Dinge heute nun mal anders, als damals. D.h. wir entwickeln uns zwangsläufig, ob wir wollen oder nicht. Daher ist es nur eine logische Konsequenz, dass sich unsere Fotografie mit den Jahren ebenfalls mitentwickelt. Sie ist das Äquivalent zu unserer Meinung, zu unserer Einstellung, zu den Gedanken die wir haben. Sie ist der visuelle Ausdruck unserer Wünsche, Ideen, Sehnsüchte, Ängste oder einfach nur Gedanken. Und falls jemand nicht so tief graben möchte und sagt, er sei nur Auftragsfotograf, sollte sich fragen, ob der Bereich in dem er fotografiert nicht doch auch ein persönlicher Wunschbereich von ihm ist, den er mag. In diesem Fall ist die Fotografie dann ebenfalls auch Ausdruck mindestens eines persönlichen Geschmacks. Egal wie man es dreht und wendet, Fotografie ist etwas ganz persönliches. Und so unterschiedlich jede einzelne Persönlichkeit ist, so unterschiedlich sind meiner Meinung auch die Faktoren, die ein gutes Foto ausmachen.

_DSC5857Aber zurück zum Thema. Was macht nun ein gutes Foto aus?
Ich weiß es ehrlich nicht so genau. Jedenfalls möchte ich die Antwort auf diese Frage nicht in eine  einzige Definition pressen. Anhand von Regeln, Formeln und Definitionen kann man doch keine Kunst beschreiben. Oder vielleicht doch?! Ja es kann sein, dass ein gutes Foto ein Foto ist, auf das man länger als eine Sekunde schaut. Es kann aber auch sein, das ein gutes Foto ein Foto ist, auf das man mehrmals oder regelmäßig schaut. Zeit ist doch relativ.

Als Fotograf muss man sich doch die Frage stellen, was will ich denn mit meinem Foto erreichen? Möchte ich mit meiner Fotografie nur gefallen oder will ich Emotionen bewegen? Spielt es eine Rolle, ob nun das Paar auf den Schienen hier rechts im Bild nicht mittig auf den Gleisen zu sehen ist oder reicht es aus, dass man hier die Regeln der Symmetrie bewusst gebrochen hat? Spielt es eine Rolle, ob das Foto mir persönlich gefällt? Ist ein Foto ein gutes Foto, wenn es hunderte von “likes” auf Facebook erhält? Oder reicht das zufriedene und glückliche Gesicht meines Protagonisten als Bestätigung aus? Muss ein gutes Foto auf Anhieb fesselnd sein oder darf es sich auch mit der Zeit “entwickeln”? Es gibt so viele Fragen in der Fotografie.

NadineDaniel-106meine Mappensichtung
Mein persönliches Fazit ist simpel. Ich glaube ich mach das nicht noch mal 🙂 Jedenfalls nicht so schnell. Die Notizen, die ich mir nach der Mappensichtung machte, sind nur ein Bruchteil der Gedanken, die ich dabei hatte. Vieles lief einfach parallel ab und die Fragen, die man mir stellte, waren gut und haben was in mir bewegt. Was nun mit meiner Fotografie passiert, weiß ich noch nicht so genau. Ich denke, es werden Details sein, die ich angehe. Kleinigkeiten die ich vorher nicht so genau betrachtet habe. Ich werde einige Dinge loslassen und teilweise auch Neuland betreten. Für mich bleibt es aber definitv spannend, da eine gewisse “Unruhe” in mir herrscht. Ich würde am liebsten alles sofort umsetzen und anpacken und alles um mich herum einfach stehen und liegen lassen, was nicht zum Thema Fotografie dazu gehört. 🙂 Die grobe Richtung stimmt schon mal, diese Bestätigung tat mir auch gut. Ich bin jedenfalls sehr dankbar für dieses professionelle Feedback gewesen. Zu dem war es spannend zu sehen, wie ein Profi meine Fotos sieht.

_DSC6279Meine persönlichen Notizen übrigens, die ich mir nach dem Gespräch gemacht habe, enthielten u.a. die folgenden Punkte. Es ist nur ein kleiner Auszug davon. Diese gelten auch nicht allgemein, es waren jeweils spezifische Punkte zu einzelnen Bildern. Zu dem muss man wissen, dass es eben nur eine subjektive Sicht eines einzelnen Menschen war. Eine Meinung, die ich zwar sehr schätze, weil ich einiges an Erfahrung und Professionalität dahinter vermute, aber letztendlich bleibt es eine Meinung. Entscheidend ist nun, was ich will und was ich daraus mache.

Ein Auszug aus meinen Notizen:

  • irritierende Details, Farben, störende Elemente, etc. im Hintergrund vermeiden
  • Bildbearbeitung ausbauen, oft geht noch “mehr” (Was auch immer das sein mag.)
  • Fokus sitzt oft an der flaschen Stelle (Back-/Frontfokus der verschiedenen Objektiv/Kamera Kombinationen überprüfen)
  • Bildidee hinterfragen, stell dir die Frage: “Was wird der Betrachter sehen? Was soll er sehen?
  • Kreativität vor Technik?
  • Warum Polaroid?

Habt ihr auch schon mal so eine Mappensichtung mitgemacht? Wie ist eure Meinung zu einem guten Foto? Was macht ein gutes Foto aus? Ich freue mich auf eure Antworten.

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5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Ivan,
    bei den Hochzeitsbildern im Artikel hatte ich auch immer das “Problem”, dass mich Details im Hintergrund gestört haben. Die roten Türen bei den Gleisen oder die Spiegelung im Rückspiegel vom Auto z.B.
    Da kannst du bestimmt noch etwas mehr Fokus auf das Brautpaar geben, evtl. auch durch Bearbeitung und Entsättigung der störenden Details.
    Aber was ist gemeint mit “Warum Polaroid”?

    • Hallo Marcel, Danke für dein Kommentar. Sehr interessant. Genau diese Details waren u.a. Bestandteil der konstrutiven Kritik. Ehrlich gesagt, fiel es mir beim Fotografieren gar nicht so sehr auf. Ich hab diese “Kleinigkeiten” zwar wahrgenommen, aber nicht wirklich als störend empfunden, bzw. im Eifer des Gefechts war es meistens gar nicht möglich, diesen aus dem Wege zu gehen. Aber es stimmt schon. Bei der Analyse der Bilder fällt es schon so wie du es beschrieben hast auch mir auf. Denke ich werde meinen Blick für’s Details weiter ausarbeiten.

      Und die Frage nach dem Polaroid geht aus dem Bild Nr. 22 aus der folgenden Hochzeit: http://blognotiz.de/wenn-aus-liebe-wahrheit-wird/
      Es war grundsätzlich die Frage, was der Sinn dahinter ist. Ich hab es mir mal notiert, aber eher auch um es generell zu hinterfragen. Nach dem Motto, was will ich mit dem Foto ausdrücken. Polaroid an sich ist eine Spielerei, die ich einfach nur liebe und daher wahrscheinlich nie aufgeben werde.

  2. Ja, das kenne ich nur zu gut. Ich hab selbst noch nicht das Auge für die Details und den Aufbau. Habe aber viel gelesen und immer wieder gesehen, wie man mit einfachen Mitteln das Auge lenken kann. Oftmals reicht schon das Entsättigen von störenden Elmenten, ein anderer Ausschnitt oder eine Vignette. Oder anders gesagt: In der Bildbearbeitung geht noch was *haha* 🙂

  3. Hallo Ivan,
    ein sehr interessanter Artikel!!! Das Buch hatte ich mir übrigens auch bestellt. 🙂
    Ich denke, das Du genau den richtigen Weg gegangen bist und Dich der “Kritik” gestellt hast und vor allem, das Du nun mit dem Feedback arbeitest.
    Wer sonst als “unabhängige Personen” können ein entsprechendes Feedback geben? Die “Lobhudeleien” auf diversen Plattformen bringen uns doch nicht weiter. Je mehr “Freunde” desto mehr Standardaussagen.
    Ich hoffe das wir auf unserer Plattform das ganze in Zukunft konstruktiv bearbeiten können. Wobei mir gerade einfällt, das wir auch ruhig andere Bilder als die Monatsaufgaben zur Diskussion stellen sollten.

    Ich schaue mir die Tage mal Deine Serie “Wenn aus Liebe Wahrheit wird” mit “kritischer Sicht” an….

    Gruß Frank

    • Hallo Frank,

      vielen Dank für dein Feedback. Es tut gut sowas zu lesen. Und wo du grad unsere Plattform ansprichst, da krieg ich grad etwas ein schlechtes Gewissen 🙄 Bisher war ich ja nur passiv beteiligt. Ich hoffe es wird nun bald etwas ruhiger bei mir. Die Idee neben den Monatsaufgaben finde ich zwar gut, aber ich schaffe ja kaum diese. Aber das ist ein anderes Thema.
      Bin ehrlich gespannt auf dein kritisches Feedback zu der erwähnten Serie 🙂

      LG
      Ivan

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