Nikon WU-1b Funkadapter an meiner D600 und ein bisschen WLAN Sniffing

Vor einigen Wochen hatte ich mir neben der Nikon D600 noch den Nikon WU-1b Funkadapter gekauft. Um ehrlich zu sein und um es vorweg zu nehmen, ich habe nicht wirklich gewusst, ob ich eine Verwendung dafür haben werde. Ich war nur neugierig und da der Preis relativ erschwinglich war, hab ich mir diesen Adapter gegönnt. Der folgende Bericht ist ein persönlicher Erfahrungsbericht über die Handhabung und den möglichen Verwendungszweck, incl. einigen technischen Details über den Funkadapter.

Was macht man also mit diesem kleinen Ding?
Kurz gesagt überträgt es drahtlos die Bilder der D600 auf ein Handy. Dafür gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche Funktionen:

  1. upload_20130224_22-23-25(2)man kann damit die Bilder der DSLR Speicherkarte auf seinem iPhone, bzw. Android Mobilgerät anschauen und auch auf dem Handy abspeichern, bzw. weiter verarbeiten. Wie man auf dem Screenshot meines iPhones rechts gut erkennen kann, sieht man sowohl die .JPG, als auch die .NEF Dateien. Wenn man z.B. unterwegs auf einer Fototour ist und die D600 nicht im .NEF Format, sondern gleich in .JPG Bilder aufnehmen lässt, könnte man diese gleich per Adapter auf sein iPhone (oder Android Handy) übertragen und sofort bei flickr, 500px, im eigenen Blog oder sonstwo online stellen, ohne ein Laptop und UMTS Stick mit haben zu müssen. Oder man möchte sich vielleicht die Ergebnisse auf dem wahrscheinlich besseren Handy Display anschauen. Eine weitere Verwendungsmöglichkeit könnte aber auch einfach nur das Abspeichern der Bilder weg von der DSLR Kamera sein, wenn man z.B. eine zu kleine SD Speicherkarte hat, vorausgesetzt man hat ausreichend Speicher auf dem Handy frei. Generell finde ich diese Möglichkeit ziemlich genial, da man dadurch einfach etwas flexibler ist.
  2. upload_20130224_22-23-19(1)Und die wahrscheinlich interessantere Funktion ist die Möglichkeit der Fernauslösung mittels iPhone, bzw. Android Mobilgerät. Ziemlich genial, wenn ihr mich fragt. Allerdings hat das ganze auch einen Haken. Links auf dem Screenshot erkennt man recht gut die beschränkten Möglichkeiten dieser Funktion. Man sieht zwar die Verschlusszeit, die Blende, wie viele Bilder bereits auf der SD Karte sind und auch den Akkustand der Kamera und man kann auch den Fokuspunkt frei bewegen und somit auch von der Ferne verändern. Aber abgesehen vom Auslösen war’s das leider auch schon. Möchte man z.B. eine andere Blende verwenden, ist die Veränderung dieser nur direkt an der Kamera möglich und das auch nur, wenn man die Verbindung über den Funkauslöser beendet. Denn solange die Kamera in dem sog. “PC Modus” mit dem WU-1b Adapter, bzw. Handy verbunden ist, sind die Einstellrädchen der Kamera ohne Funktion und daher gesperrt. Ehrlich gesagt war ich hier ziemich enttäuscht, dass die Entwickler auf halbem Wege einfach aufgehört haben. Technisch mit Sicherheit nicht unmöglich, hätte man wenigstens die Bedienung der Verschlusszeit und Blende noch in diese App mit einbauen können. Und dennoch finde ich diese Möglichkeit des Fernauslösens ziemlich cool. Einsatzgebiete könnten sehr niedrige Kamerapositionen sein, die man sonst nie machen würde, z.B. bei einem Fussballspiel direkt hinter dem Tor in der Ecke oder vielleicht wenn man die Kamera mit einem Einbein Stativ über sich hält, um von oben wasauchimmer aufnehmen zu können. Da kann man schon kreativ werden.Was man leider auch nicht kann ist ein sog. “Tethered Shooting”, das Fotografieren ohne Speicherkarte direkt auf das Handy. DAS wäre ziemlich cool, würde man damit doch eine echt günstige Alternative zu der sonst teureren “Camera Control Pro” Lösung von Nikon haben. Adobe’s Lightroom bietet zwar auch die Möglichkeit der Tethered Verbindung an, aber aktuell wird in der LR Version 4.3 die Nikon D600 laut Adobe Website nicht unterstützt. Eine weitere Alternative der drahtlos Übertragung der Bilder auf einen PC wären dann noch die Eye-Fi SD Karten. Die Nikon D600 ist jedenfalls laut Herstellerangaben Eye-Fi Kompatibel. Allerdings kann ich dazu mangels Karte wenig berichten.

Wie verbinde ich nun mein Handy mit dem Adapter?
20130223-132911.jpgFür die Verwendung des WU-1b Adapters benötigt man zu allererst die App “Wireless Mobile Utility“. Diese gibt es für das iPhone und auch für Android Geräte. Den Funkadapter schließt man dann wie auf dem Foto unten zu sehen ist am Mini USB Anschluß der Kamera an. Sobald die Kamera eingeschaltet ist, sendet dieses kleine Gerät seine Funksignale aus. Das WU-1b ist ein Wireless Access Point und die SSID, der sog. Sevice Set IDentifier, der WLAN Name, den man in den Netzwerk Einstellungen sieht, wenn man sich mit seinem Handy oder PC verbindet, lautet in meinem Fall: “Nikon_WU_30042334“, wobei die Ziffern in dem Namen auch auf dem Gehäuse auf einem Aufkleber stehen und sehr wahrscheinlich die Seriennummer des Gerätes darstellen und demnach auf jedem Adapter unterschiedlich ausfallen.

Die Übertragung der Bilder, ob bereits auf der Kamera Speicherkarte vorhanden oder frisch fern ausgelöst, erfolgt relativ flott. Das liegt daran, dass das kleine Nikon Adapterteil eine Datenübertragung bis zu IEEE 802.11n beherrscht. Ich hab bisher aber noch nicht herausgefunden, ob es im 2,4-GHz-Frequenzbereich und/oder auch im 5-GHz-Frequenzbereich sendet. Aber das ist letztendlich auch irgendwie egal, oder?! :mrgreen: In meinen bisherigen Tests hatte ich nie Verbindungsprobleme zu meinem iPhone oder dem Nexus 7 Android Tablet. Die Funktionen, auch wenn diese noch so knapp sind, tun zuverlässig ihren Dienst. Selbst mit meinem Macbook Pro konnte ich die WLAN Verbindung zu dem WU-1b aufbauen. Allerdings natürlich ohne sonst. Verbindung zu der Kamera. Leider! Aber das wäre mit Sicherheit auch nur eine Frage der Entwicklung einer entsprechenden Software. Was ich aber am MAC machen konnte, war wenigstens etwas WLAN Sniffing betreiben, was aber nicht wirklich spannend war. Außer der MAC Adresse des Adapters, dass es eine unverschlüsselte WLAN Verbindung ist und dass der WU-1b (natürlich) auch als DHCP Server dient und dem Client (ob nun iPhone, Android Handy oder MAC) eine IP Adresse aus dem im RFC 1918 definierten privaten IP Adressbereich 192.168.0.0/16 verteilt, sieht man sonst nicht wirklich etwas. Der Adapter war leider auch nicht per telnet, SSH, HTTP oder HTTPS ansprechbar, wie ihr das vielleicht von eurem DSL WLAN Router kennt, um Einstellungen zu ändern. Wenn ich mal Zeit habe, schau ich mir mal das Innenleben des WU-1b mal näher an.

Fazit
Kurz: wenn die 48,- EUR für diesen Adapter nicht weh tun, ist es mit Sicherheit ein nettes Spielzeug. Allerdings ist die ernsthafte Betreibung des Adapters in der täglichen Fotografie bedingt durch die zu wenigen Funktionen und der etwas störenden Anbringen an der Gehäuseaussenseite eher nicht zu empfehlen. Es verhält sich also wie mit jedem anderen sinnfreien Spielzeug: möchte man es haben, wird man es sich wahrscheinilch auch kaufen 🙂

Das könnte dich auch interessieren:

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Exakt meine Erfahrung. So richtig sinnvoll ist es irgendwie nicht… aber irgendwie schick. Man hat wirklich das Gefühl, das ist irgendwie ein Versuch von Nikon, eine Machbarkeitsstudie oder so was, nur vorzeitig abgebrochen… 🙂 Ich nutze mittlerweile wieder den normalen Fernauslöser, das geht schneller und einfacher als das Ding anzustöpseln, mit dem Handy zu verbinden usw.

  2. Hi,
    ich habe eben das EYE FI ausprobiert an meiner d800 aber da wartet man seine 30 Sekunden auf seine Bilder.
    Wünschte wirklich es gäbe eine kabellose Variante für den USB 3.0 kabel

    • Die EyeFi Karten kenn ich nicht, aber die Datenübertragungsrate hört sich nicht berauschend an. Welche hast du? Die X-Pro2?
      Und USB 3.0 ohne Kabel gibt es doch schon längst. Fast jedenfalls. USB 3.0 schafft unter idealen Bedingungen etwa 2,4 Gbit/s, wohingegen der Wireless Standard IEEE 802.11ad oder auch Wireless Gigabit (WiGig) genannt unter bestimmten Bedingungen schon 6,7 GBit/s brutto erreicht. Blöd ist nur, dass man den im Moment daheim nicht nutzen kann, da 802.11ad noch nicht fertig ist, also noch in der Bearbeitungsphase liegt. Und man kann damit im Moment nur max. 10m überbrücken, soweit ich weiß. Aber mit WiFi 802.11n schafft man ja auch schon 600 Mbit/s maximal.
      Aber Bandbreite wird eh überbewertet… 😉

  3. Hallo Ivan, wenn ich das so lese ärgere ich mich schon wieder ein bisschen das Nikon so eine Lösung nicht für die D800 anbietet.
    Habe ja mal Nikon gefragt, nee ich soll mir den WT-4 kaufen 🙁 Nee ist klar. Und die Eye-Fi Karte (X-Pro2) hat bei mir immer die dumme Angewohnheit dann nicht so richtig zu funktionieren wenn ich sie gebrauchen könnte.

    Ist schon cool das der Adapter so gut bei dir funktioniert.

    • Hi Frank. ja, ich bin auch ziemlich froh, dass das kleine Teil so gut funktioniert. Und auch wenn die Funktionen etwas eingeschränkt sind, es macht einfach Spass. Und zur Nikon Alternative mit der D800, das WT-4 ist ja aber auch irgendwie eine echte Verarsche. Nicht nur, dass der das Teil max. IEEE 802.11g, bzw. IEEE 802.11a kann, also max. 54 Mbit/s, um am PC die Kamera fernsteuern zu können, benötigt man immer noch Camera Control Pro 2. Und das zum Preis von schlappen 600,- EUR nur für den WT-4. Nikon ist das irgendwie in dem ganzen Wireless Kram etwas zurückgeblieben. Ich hoffe, dass sich das ändert. Naja und falls nicht, kauf dir doch einfach eine D600 als Zweitbody ;@)

Schreibe einen Kommentar