Kodak Ektar 100 analog langzeitbelichtet – kurz erklärt

Vor einigen Wochen war ich mal wieder am Main, aber dieses Mal mit meiner analogen Mamiya und einem neuen Stativ (Berlebach! YEAH!) Wer mir auf Instagram folgt, hat vielleicht die Videos gesehen, die ich in den sog. “Stories” online gestellt habe. Wer mir dort nicht folgt, für euch habe ich die beiden kurzen Clips hier im Artikel eingestellt. Hier seht ihr den Start der Belichtung, bzw. die Zeit davor und hier das Ende. Das Foto war auch das letzte Bild auf der Rolle, was man am Motorgeräusch beim Zurückspulen wohl nicht überhören kann.

Im Prinzip zeigen diese nur ein sehr kleines “Making of” von dem Foto, über das ich heute schreiben möchte. Das besondere an dem Foto ist die lange Belichtungszeit von 10 Minuten und dass es nicht verwackelt ist. Das hört sich vielleicht banal an. Aber wer schon mal so lange ein Foto belichtet hat, der weiß aus eigener (leidvoller) Erfahrung, dass nur ein kleiner Windhauch reicht, um ein Bild zu runinieren. Und bei analogem Filmmaterial ist das umso frustrierender, da man die Ergebisse ja nicht sofort sieht. Daher freue ich mich ja auch wie ein kleines Kind über dieses Bild, welches übrigens vom Filmlabor meines Vertrauens entwickelt und digitalisiert wurde: meinfilmlab.de! Yeah! 🙂

Zu dem Zeitpunkt, als ich das Foto übrigens geschossen habe, lag ich grad eine Woche davor ziemlich flach daheim rum (Männergrippe!!!) und war froh nach 7 Tagen Bettruhe endlich mal wieder Sonnenlicht zu sehen. Ich war zwar nur etwa eine Stunde dort am Wasser, aber das war definitiv so erholsam wie Urlaub. Ich sag immer, 60 Minuten Frankfurt am Main ist wie eine Woche Urlaub an der Nordsee 😉

Um was geht’s denn nun heute?
Kurz: um analoge (was sonst?!) Langzeitbelichtung mit dem Kodak Ektar 100 Film! Und natürlich will ich euch wieder dazu ermutigen, mal in die analoge Fotografie hineinzuschnuppern. Es lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Gerade auch beim Thema Langzeitbelichtung. Ich habe mich ja schon öfter mit diesem Thema beschäftigt und z.B. auch schon mal etwas über das Reziprozitätsgesetz von Bunsen und Roscoe geschrieben. Und der Kodak Ektar 100 Film ist mir diesbezüglich auch nicht neu, habe ich diesen doch schon mal mit meiner Pentax 67 verwendet. Damals kam ich schon zu einem simplen Ergebnis, dass nämlich der Kodak Ektar 100 + Pentax 67 = yeah! ergeben. Aber dieses Mal will ich euch ein einfaches Rezept an die Hand geben.

Warum?
Ich glaube nämlich, dass man nicht zu allen fotografischen Themen einen Workshop besuchen muss und schon gar nicht zu dem Thema Langzeitbelichtung. Ernsthaft! Das ist gar nicht so schwierig. Wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert und im Web an der richtigen Stelle sucht, ausreichend und oft genug Dinge selber ausprobiert, kann man sich das manchmal absurd teure Geld für solche Workshops sparen. Und zu analogen Langzeitbelichtungen gibt es aktuell ohnehin keine Workshop Möglichkeiten.

Workshops finde ich grundsätzlich gut, ich besuche ja selber sehr gerne welche. Ich möchte daher hiermit natürlich nicht sagen, dass so ein kleiner Artikel von mir einen ganzen Workshop ersetzt. Aber ich glaube dieser kann als Anregung dienen, um sich selber mehr mit diesem Thema zu beschäftigen. Vieles kann man sich selber erarbeiten, denn mittlerweile gibt es im Internet alleine schon massenweise gute Quellen, um sich das Wissen im Selbststudium anzueignen.

Zutaten
Aber analoge Langzeitbelichtung unterscheidet sich im Wesentlichen nicht sehr von der digitalen Variante. Man benötigt an technischem Equipment neben seiner Kamera und einem netten Motiv ebenso folgendes:

  • ND Filter
  • ND Filter Kalkulator (z.B. die App “NDCalc”, gibt’s sowohl für iOS, als auch Android)
  • Stoppuhr (oft im Smartphone integriert)
  • Stativ
  • Fernauslöser
  • Spiegelvorauslösung (Kamerafunktion)

Die häufigste Frage jedoch, die mir im Zusammenhang mit der analogen Langzeitbelichtung gestellt wird, ist auch gleichzeitig der kritische Unterschied zum digitalen Kinde: der Schwarzschild Effekt! In meinem Artikel vom Reziprozitätsgesetz von Bunsen und Roscoe habe ich mal vor zwei Jahren schon etwas ausführlicher darüber geschrieben. Daher will ich heute gar nicht so sehr ins Detail gehen.

einfach ausgedrückt
Im Prinzip bedeutet das in einfachen Worten, dass die Lichtempfindlichkeit des Filmes bei zunehmender Belichtungszeit abnimmt. Im Umkehrschluss muss man daher zu der gemessenen korrekten Belichtung noch zusätzlich länger belichten um diesen Effekt auszugleichen, damit man am Ende ein gut belichtetes Foto produzieren kann.

Die vieldiskutierte Frage hier ist, wie viel länger ich belichten muss und vor allem ab welcher Zeit  dieser Effekt anfängt. Natürlich unterscheidet sich die Antwort darauf in Abhängigkeit zum verwendeten Film Hersteller und vor allem auch, ob man Negativfilme oder Diafilme verwendet. Negativfilme fangen bei Belichtungszeiten von länger als 1 Sekunde mit diesem Effekt an. Diafilme sollen wohl bis zu 2 Minuten belichtet werden können, ohne einem Schwarzschild Effekt zu erliegen und benötigen bei längeren Zeiten als 2 Minuten auch nur geringfügigere Korrekturen. Diafilme oder auch Diapositiv-, bzw. Umkehrfilme genannt, habe ich persönlich noch nie ausprobiert. Aber ein Fuji Provia 100F liegt schon in meinem Kühlschrank und wartet nur darauf, mit mir zusammen auf Fototour zu gehen 🙂

Und der Kodak Ektar 100?
Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass ich den Kodak Ektar 100 Film sehr mag. Kodak selber beschreibt diesen Film mit den Worten: “extrem lebendige Farben und außergewöhnliche Schärfe” und bezeichnet diesen Film als feinkörnigsten Farbnegativfilm der Welt. Und dies kann ich nur bestätigen. Dieser Film lohnt sich echt!

Das Datenblatt des Kodak Ektar 100 findet man in der Google Suche recht schnell, wenn man nach “kodak ektar 100 datasheet” sucht. Dort steht zum Thema Langzeitbelichtung leider der folgender  meiner Meinung nach nichts sagende Absatz:

Adjustments for Long and Short Exposures
No filter correction or exposure compensation is required for exposures from 1⁄10,000 second to 1 second. For critical applications with longer exposure times, make tests under your conditions.

meine persönliche Faustregel
Da ich mittlerweile festgestellt habe, dass es bei Langzeitbelichtungen gar nicht so sehr auf Sekunden ankommt, habe ich mir das Leben bei diesem Thema recht einfach gemacht. Wenn ich kürzer als 2 Minuten belichte, nehme ich die finale Zeit x2 und wenn ich länger als 2 Minuten belichte einfach x4. Probiert das einfach mal aus. Ihr werdet staunen, wie einfach das ist!

Fazit
Wer ohnehin schon mal mit seiner digitalen Kamera mit Langzeitbelichtungen herungespielt hat, wird mit der analogen Variante vermutlich recht schnell klarkommen. Und wer noch nie sowas gemacht hat, aber schon mal gerne mit Stativ länger belichten würde, dem kann ich nur empfehlen vielleicht auch mit analogem Filmmaterial zwischendurch herumzuexperiementieren. Die Erfahrung, die ihr dadurch gewinnt ist durch nichts zu ersetzen.

Und jetzt natürlich die Frage an euch, wer hat denn schon mal analog langzeitbelichtet und wie sind eure Erfahrungen damit?

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