JCH Streetpan 400 – meine Meinung

Als meine Kinder noch etwas kleiner waren, gab es eine Phase in der sie ziemlich intensiv mit LEGO Bausteinen gespielt haben. Ich übrigens dann natürlich auch 🙂 Und es passierte nicht selten, dass meine Kinder fast schon einen eingebauten Radar hatten, wenn es um neue LEGO Produkte ging. Ich weiß nicht wie sie es geschafft haben, aber ich hatte das Gefühl wir wussten bereits Wochen im voraus über neue LEGO Produkte Bescheid. Nicht dass wir alles gekauft hätten, aber ich war bestens darüber informiert was sich in der LEGO Welt sprichwörtlich aufbaut.
Ich glaube, sowas liegt uns in den Genen. (Thema Männer und Spielzeuge 😉 meine ich.) Sobald wir uns für etwas interessieren, ziehen wir fast schon automatisch alle nötigen Infos, Quellen und Prognosen darüber an. Kennt ihr das? Mir geht’s jedenfalls im Moment genau so mit der analogen Fotografie.

Vor etwa einem Jahr durchflutete eine für mich faszinierende Nachricht die sozialen Kanäle aka Twitter, Facebook, Instagram & Co. Ein neuer Film ist am analogen Sternenhimmel geboren worden: der JCH Streetpan 400 Film! Und der Name implizierte auch sofort einen Bezug zur Street Fotografie und war dadurch doppelt attraktiv für mich. Ich war daher natürlich MEGA begeistert und wollte ihn gleich bestellen. Ich kann nicht genau sagen, wieso ich es nicht getan habe und so lange damit wartete. Vermutlich hat mich der Preis von etwas mehr als 10,- EUR pro Rolle abgehalten. Aber ungeachtet dessen, meine erste Rolle Streetpan 400 Film habe ich nun endlich durch meine Kamera gejagt und auch selber bei mir daheim im Keller 17 Minuten lang durch den Kodak XTOL Entwickler geschüttelt (nicht gerührt!) 🙂

Was darf man erwarten?
Kurz gesagt: meine kurze Meinung und ein paar Bilder! Aber Achtung: ich bin nicht sachlich. Es geht lediglich nur um meine pesönliche Erfahrung und meine Sicht darauf. Das ist einem privaten Blogger ja auch erlaubt, denke ich 🙂 Erwartet also keine wissenschaftliche Abhandlung mit Labor Tests oder Densitometer Messungen.

Background Infos
Wem dieser Film rein gar nichts sagt, mehr technische Details zu dem Film gibt es z.B. in Deutsch auf der Website von macodirect.de. Dieser online Shop verkauft den Film im deutschsprachigen Raum des Internets. Oder auch in Englisch auf der anfangs erwähnten JCH Website. Aktuell ist dieser Film ausverkauft, aber es soll wohl eine zweite Ladung auf den Markt kommen.

Ja, es gab viel Wind um diesen Film und sogar Petapixel hatte damals, als dieser vor etwa einem Jahr auf den Markt kam darüber berichtet. Aber auch grundsätzlich zurecht. Denn so sehr sich der analoge Foto Film Markt aktuell in der Renaissance befindet, so sehr bleibt er doch noch nur ein Nischenmarkt. Da ist jede auch nur erdenklich kleine Neuigkeit eine Riesen Sensation und Hoffnung für uns Fans der analogen Fotowelt. Grundsätzlich… Und dennoch habe ich gemischte Gefühle bei diesem Film!

Da war er nun also, der Streetpan 400! Ein ziemlich geiler Name übrigens, den sich sein Schöpfer da ausgedacht hat. So verwundert es auch nicht, dass die Stimmung über diese Neuigkeit so vielschichtig war. Denn neben all dem Jubel und der Begeisterung wurden zu den Verfechtern dieser “grandiosen Neugeburt” eines alten Films auch die kritischen Stimmen im Internet zu diesem “neuen” Film hellwach. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Genau so habe ich es persönlich empfunden. Denn so neu ist dieser Film offensichtlich gar nicht. Zuverlässigen Stimmen zufolge handelt es sich bei diesem Film um einen alten und bereits vom Markt genommenen sog. Überwachungsfilm der Marke Agfa, dem “Aviphot PAN 400S“. Ob das nun wirklich so ist, kann ich persönlich nicht genau sagen. Ich kenne diesen alten Agfa Film nicht. Aber wenn man “Streetpan 400” mit dem Stichwort “Aviphot” in eine Suchmaschine eingibt, kommen auffällig viele übereinstimmende Ergebnisse dabei heraus. Und der Tatsache geschuldet, dass erfahrene Fotografen mir das auch persönlich sagten und ich ihnen glaube, ist die Wahrscheinlichkeit also sehr hoch, dass es sich tatsächlich um diesen Film handelt.

Aber mir persönlich war das irgendwie egal. Der Name war Programm und ich sah mich schon mit dutzenden Rollen daheim eingedeckt und damit “bewaffnet” für die nächsten Street Fotografie Walks. Ich meine, wie cool ist das denn?! Streetpan! Ich bin wirklich über diesen Namen begeistert, den sich sein Ideengeber in Japan ausgedacht hat. Aber mittlerweile sehe ich das nüchterner und bin zu dem Entschluss gekommen, mir keine Rollen mehr zu kaufen. Einfach aus Prinzip! Aber dazu später mehr.

Apropos Ideengeber, ich persönlich kenne Bellamy Hunt aka Japan Camera Hunter aus Japan nicht wirklich. Abgesehen von einigen Nachrichten über die bekannten sozialen Medien habe ich nicht viel mit diesem Mann zu tun. Er handelt mit alten und wertvollen Kameras und Objektiven (die mich immer wieder faszinieren) und verkauft in seinem Merchandising Shop auch Film Dosen, die ich persönlich nicht nur schon einmal gekauft habe, sondern auch ungemein liebe. (Ich berichtete!)

Er sagt selber über diesen Film folgendes: It’s “re-born film,”, “no re-spooled film”. Und alleine schon so eine Aussage hätte mich hellhörig werden lassen müssen. Denn so oft man ihn gefragt hat, ob es sich bei diesem Film um den o.a. Typen handelt, so oft hat er es entweder bestritten oder einfach ignoriert. Und genau das verstehe ich nicht. Es ist aus meiner Sicht vollkommen legitim, altes Material oder von mir aus eine alte Emulsion neu gießen zu lassen und in einem eigenen Label verpackt zu vermarkten. Aber ehrliche Transparenz wäre nicht nur förderlicher für den Verkauf, es würde auch dieses “seltsame” Gefühl vermeiden, das man beim Kauf eines solchen vermeintlichen “Imitats” dann ggf. hat. Es ist natürlich kein Imitat, sondern nur eine Pralinenschachtel mit Gummibärchen darin.

Und gerade zu diesem hohen Preis und der verhältnismäßig niedrigen Qualität, die am Ende bei der Belichtung herauskommt sollte man wenigstens die Marketing Strategie gesund gestalten. Aber ich muss zugestehen, ich bin auch auf diesen Hype weich geworden und habe mir für “schlappe” 10,- EUR + Versandkosten eine Rolle bestellt. Wenn es um’s reine Verkaufen geht, das hat funktioniert. Aber Kundenbindung sieht anders aus.

Warum klingt das was ich schreibe so voreingenommen und offensichltich negativ?
Abgesehen davon, dass ich “großartiges” von diesem Film erwartet habe, da ja “alle” davon geschwärmt haben und ungeachtet der Tatsache, dass die Ergebnisse recht ernüchternd ausgefallen sind (Stichwort Preis/Leistung), habe ich mittlerweile auch was persönliches gegen diese Marketing “Strategie”. Denn meiner Meinung nach schadet das dem analogen Fotografie Markt mehr, als es ihm nützt. Doch das ist nur ein subjektiver Aspekt. Ein anderer Punkt, den man nüchtern betrachten kann ist die Alternative. Ja es gibt sie und diese ist viel günstiger. Wenn man bei einer solchen Emulsion bleiben will, kann man gerne auf einen Rollei Retro 400S oder auch Rollei Superpan 200 Film zurückgreifen. Der Kostenpunkt liegt bei der Hälfte des JCH Streetpans und man bekommt die selben Ergebnisse hin. Wenn man diese Kontraste mag und die erweiterte Rotempfindlichkeit unbedingt braucht, wäre das eine gute Alternative. Von Tonwerten möchte ich bei diesen Filmen nicht sprechen. Vertrieben werden diese Filme von macodirect.de und dort wird kein Hehl daraus gemacht, dass es sich um Agfa-Gevaert Emulsionen handelt. Fairerweise muss man aber auch dazu sagen, dass diese Filme beim Scannen keinen Spass machen. Mein Streetpan jedenfalls war ein echter Staubmagnet und nicht vergleichbar mit z.B. einem Kodak TMAX 400, was die Handhabung angeht.

mein persönliches Fazit
Ich bin enttäuscht! Sowohl vom Film, als auch von dem Marketing Gedöns, das um diesen veranstaltet wurde. Der analoge Markt ist ohnehin klein und sensibel, da verwundert es nicht, wenn man jede Stimmung sofort mitbekommt. Daher wird mir so ein Film nicht mehr ins Haus kommen. Alleine schon aus den obe genannten Gründen der Filmeigenschaften. Bei s/w Filmen sind die Tonwerte für den Gesamteindruck entscheidend. Und da schwächeln die sog. Überwachungsfilme einfach! Aber das ist auch kein Wunder, denn diese Filme wurden ja auch damals nicht für die künstlerische Fotografie produziert, sondern eben nur für die Überwachung. Da braucht man keine feinen Tonwerte. Das ist eine simple Rechnung. Für mich persönlich gibt es daher natürlich bessere und angenehmere Filme. Ein Kodak TMAX 400 oder ein TRI-X 400 oder gerne auch ein Fomapan 400 Film bleiben aufgrund der besagten Eigenschaften, meiner subjektiven Geschmacksrichtung, sowie dem angenehmeren Verhalten beim Digitalisieren aktuell meine Favoriten.

Bilder
Und hier nun die JCH Streetpan Bilder aus meiner Kamera.

Frage an euch
Was meint ihr dazu? Und welche S/W Filme verwendet ihr und vor allem wieso? Das würde mich brennend interessieren 🙂 Ich freu mich auf eure Meinung!

Das könnte dich auch interessieren:

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Frage, die sich stellt, ist doch: Was kann oder soll dieser Film können, was die anderen am Markt befindlichen Filme nicht oder nicht so gut können? 400er SW-Filme gab und gibt es ja bereits.

    “Bei s/w Filmen sind die Tonwerte für den Gesamteindruck entscheidend. Und da schwächeln die sog. Überwachungsfilme einfach! Aber das ist auch kein Wunder, denn diese Filme wurden ja auch damals nicht für die künstlerische Fotografie produziert, sondern eben nur für die Überwachung. Da braucht man keine feinen Tonwerte. Das ist eine simple Rechnung.” – da war die Enttäuschung doch vorprogrammiert.

    • Valide Frage! Allerdings muss ich mir an die eigene Nase fassen. Ich hab mich von der Marketing Kampagne einwickeln lassen und um ehrlich zu sein, waren mir die Eigenschaften dieser Überwachungsfilme nicht bekannt. Gerade deshalb war das ja auch so einfach bei mir \o/ Aber aus Erfahrung lernt man ja bekanntermaßen am schnellsten 🙂

  2. Also mein Lieblings SW-Film ist der Ilford XP2 und der ist ja bekanntlich gar kein SW-Film 🙂

    Wenn man ihn mit der Basis-ISO belichtet hat er so einen rauhen/groben Charakter und das mag ich so an ihn. Die Tonalität ist zwar dann auch nicht mehr wirklich gegeben aber das ist mir egal. Ich mags eher rauer, das passt zu dem was ich fotografiere.

    TriX ist auch super sowie der Acros. Was ich auch sehr sehr mag ist der Rollei RPX 25 als SW-Dia (PhotoStudio13). Das kommt auch richtig Klasse!

  3. Hallo Ivan,
    vielen Dank für deinen Bericht – frei vom Buyer’s Bias. Immer wenn ein neuer SW-Film eingeführt wird, wacht in mir auch die Experimentier-Freude. Allerdings habe ich mir vor einiger Zeit vorgenommen, in diesem Punkt nicht mehr nachzugeben. Ich habe mich auf FP4+, HP5+ und Agfa APX100 festgelegt. Mit diesen Filmen weiß ich wie ich umgehen muss und erziele solide und konsistente Ergebnisse.
    Bei dem JCH Film kommt noch hinzu, dass ich den Preis komplett überzogen finde.
    Viele Grüße,
    David

    • Hallo David! Ja da hast du recht. Der Preis für einen Streetpan ist maßlos überzogen, wenn man vom technischen Aspekt kommt. Dass dieser Film vermutlich so teuer sein muss, ist wohl der geringen Stückzahl geschuldet. Aber das macht’s auch nicht besser 🙂
      Entwickelst du deine S/W Filme selber?
      Viele Grüße, Ivan

  4. Hi Ivan ! Meine Lieblings Filme sind illfort hp5 Delta Acros und Kodakg. tri x 400. Probiere gerade 30×40 Röntgenbildern für meine großbidcamera aus. Habe diese von einem Freund zu ausprobieren bekommen. L. G Wolfram

    • Hallo Wolfram, wie sehen denn Ergebnisse mit einem Röntgenfilm aus? DAS klingt ja spannend. “Durchleuchtest” du dan quasi dein Motiv?! 😉
      Und welche Großbild Cam hast du denn?
      LG, Ivan

  5. Hi Ivan ! Ich Muß Dich leider enttäuschen, keine Ahnung das Monster von Camera heißt , sIe macht auf jedenfall top Aufnahmen. Das Foto auf röntgenfilm sieht sehr bizar aus. Werde
    Noch eine zweite Aufnahme von einer 800 Jahren alten Eiche in Worpswede machen. Hatte das schon länger vor. Man kann sie nicht mal eben untern Arm klemmen, sie wiegt 30 kg, da musst du die nächsten Schritte gut überlegen bis bald wolfram

Schreibe einen Kommentar