Fotografierst du schon oder hast du noch keine Kamera?

Neulich fragte mich wieder ein Freund, welche Kamera er sich kaufen soll. Er will mit dem Fotografieren anfangen, aus Lust und Laune und in seiner Freizeit und ist von der Flut der Angebote etwas überfordert. Was hab ich ihm nun geraten? Was würdet ihr ihm raten? Ich sagte ihm, kauf dir ‘ne Nikon und wir bleiben Freunde! 😉

Das hab ich natürlich nicht gesagt. Aber jetzt mal ernsthaft, diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Entweder man geht da sehr analytisch vor und testet alle Modelle vorher aus, liest alle möglichen Testberichte, Zeitschriften, Blogs, etc. und weiß am Ende viel mehr über die Technik der aktuellen Modelle (oder auch nicht) oder man macht das aus dem Bauchgefühl heraus, fragt vielleicht einen Freund oder irgendeinen Verkäufer in irgendeinem Fachhandel und nimmt dann die erstbeste Kamera. Zweiteres war bei mir der Fall. Damals, als es noch DM statt EUR gab. Aber dazu später mehr.

Wie ist das also? Am Anfang jeder großen Leidenschaft steht ja der Gedanke. Daher will ich heute einfach mal einige meiner persönlichen Gedanken zu dieser wirklich wichtigen Frage, die man am Anfang der Fotografie hat mit euch teilen: Welche Kamera soll ich mir kaufen?

Die Antworten darauf könnten nicht unterschiedlicher sein und jeder könnte Bände darüber schreiben. Und um es vorweg zu nehmen, es gibt keine pauschale Antwort darauf. Aber es gibt ein einfaches Prinzip und vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen beim Kauf.

Welche Kamera soll ich mir kaufen?

Bei der Freizeit-Fotografie fängt das ja meistens bei der Wahl des Kameramodels an. Soll es eine Bridge Kamera werden? Reicht eine Kompaktkamera? Oder sollte es angesichts der günstigen Einstiegspreise der Spiegelreflex Modelle dann vielleicht doch so ein professionell anmutendes Gerät sein? Und dann ist die Marke ja noch wichtig. Canon, Nikon, Sony oder, oder, oder.  Bla, bla, bla! 🙄

Ich persönlich bin ja ein Riesen Fan von der einfachen Fotografie mit dem Handy. Daher würde ich spontan jedem raten, bevor du nicht wirklich weißt, ob du mit der Fotografie regelmäßig weitermachst, versuch’s doch erst mal mit dem Handy. Ernsthaft! Wenn dann das Interesse steigt und man immer noch geneigt ist, ein halbes Vermögen in diese Fotoindustrie zu stecken, kann man sich ja immer noch teures Equipment kaufen. Aber probiert das mal aus.

Wichtig ist, die Kamera muss bezahlbar sein!

Aus meiner Sicht ist die Frage nach dem Budget eine der wichtigsten Fragen am Anfang. Die meisten Freunde und Bekannte, die mich fragen, welche Kamera man sich am Anfang kaufen soll, wissen aber auf die Frage nach dem Budget gar keine Antwort. Wie viel Geld will ich insgesamt für alles ausgeben? Und das betrifft nicht nur den Kauf der Kamera, sondern es geht auch um die Folgekosten nach dem Kauf der Kamera, wie z.B. Speicherkarte, Bildbearbeitungsprogramm, Tasche, Filter, Stativ, Schutzhüllen, Fotoversicherung, etc. Das alles sollte sich im Rahmen des Möglichen bewegen, damit man nicht frühzeitig den Spass daran verliert. Und bei einer analogen Kamera sind dann noch die Kosten für die Filme, die Entwicklung, den Filmscanner, etc. mit einzuberechnen. Erfahrungsgemäß bleibt es nicht dabei, sich einfach nur eine Kamera zu kaufen. Es wird immer Gründe geben, Geld ausgeben zu wollen und das wird wahrscheinlich auch nie aufhören, wenn man sich ernsthaft für dieses Thema entscheidet. Daher bin ich der Meinung, man sollte sich von Anfang an eine klare Grenze setzen. Außer man hat Geld wie Heu, dann spielt das auch keine Rolle :mrgreen:

Wie geht’s nun weiter?

Wenn ihr wisst, ihr könnt max. 500,- EUR investieren, dann ist das ein guter Anfang. Wie ich bereits am Anfang erwähnt habe, kann man entweder analytisch und gezielt an die Sache rangehen und erst mal eine Doktor Arbeit über das aktuelle Angebot schreiben, 2-5 Monate ins Land dabei ziehen lassen (mit nicht-fotografieren) und dann mit dem vielen Wissen, das man sich angeeignet hat, jeden Fachverkäufer im Fotogeschäft blöd aussehen lassen.

Oder man kauft sich einfach die erstbeste Kamera, die ins Budget passt, incl. dem ganzen Rest. Man fragt vorher einen Freund, dem man vertraut, wohin man zum Einkaufen gehen soll und dann bin ich mir sicher, kann man heutzutage nichts mehr falsch machen.

Jetzt mal ehrlich, fast alle Einsteiger Modelle, sei es Spiegelreflex, Spiegel-los, Bridge, etc. bieten so viele Funktionen und Listungen an, dass man fast nichts zu befürchten hat. Das wichtigste an der ganzen Sache ist doch, dass man raus geht und anfängt zu fotografieren. Meistens verändert sich das Equipment nach 1-2 Jahren so oder so in eine ganz andere Richtung, weil man erst durch das Ausprobieren merkt, welche “Fachrichtung” man in der Fotografie einschlagen möchte.

Bei mir persönlich war das damals alles ähnlich. Ich hab mir Null (In Worten: Null!) Gedanken gemacht, welche Kamera ich mir kaufen soll. Ich wusste auch nichts von einem Budget. Ich hab einfach mein gesamtes erstes großes Gehalt genommen und bin in einen Laden gegangen. Damals als ich ja noch jung war… 🙂

Ich hatte mir im damaligen Hertie in Frankfurt auf der Zeil meine erste Kamera recht spontan gekauft. Ich weiß noch, wie ich den Verkäufer fragte, welche er denn empfehlen kann und er schlug mir eine Nikon vor. Hätte er damals Canon oder Leica gesagt, hätte ich wohl heute keine Nikon zu Hause. Übrigens find ich’s immer noch sehr schade, dass er mir keine Leica anbot… :mrgreen:

Jedenfalls war meine erste analoge SLR eine Nikon F801s. Das war 1993. Damals kostete mich das Gehäuse, ein Standard 35-70mm Nikon Objektiv, ein manuell fokusierendes Sigma 70-200mm, incl. 3D Funktion (SEHR cool, hab ich heute noch) und eine Tasche zusammen knapp 2000,- DM. Doch diese Kamera hatte ich viele Jahre nur in der Programm Automatik verwendet, weil mir die ganzen Einstellungen viel zu kompliziert waren. Sie war daher eher eine relativ teure, aber sehr gute “Point and Shoot” Kamera. Ich hab sie immer noch und liebe sie.

So oder so, ob man nun analytisch oder spontan an den Kauf rangeht, kauft euch schnell eine Kamera und wartet nicht auf das nächste bessere Modell. Fangt an zu fotografieren und zeigt mir dann eure Bilder 🙂

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14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hm. Interessantes Thema. Man weiss halt nie, ob das Interesse echt ist oder nur ein Strohfeuer. Oder ob derjenige nur ne Spiegelreflex will, um damit wichtig auszusehen… Ich hab es oft erlebt, dass jemand unbedingt der größte Fotograf aller Zeiten werden wollte und wenn man ihm dann eine Nikon / Canon DSLR für 500-600 Euro angeboten hat (also Einsteigermodell) hieß es plötzlich: Ach nee, ich wollte eigentlich nur 200 Euro ausgeben… Ich finde, es gibt zwei Arten von Fotografen. Einmal die “Knipser” (nicht negativ gemeint) die ständig das ganze Leben um sich herum fotografieren, aus allem irgendein interessantes Motiv zaubern und oftmals neue Sichtweisen aufzeigen. Das ist eng verwandt mit Streetfotografie. Für solche Leute ist eine kleine, leichte spiegellose Kamera wahrscheinlich das Beste – da gibt es ja genug Geräte, teilweise mit APS-C-Sensor, die Top-Qualität liefern.
    Dann gibts die anderen, die gerne mit Stativ, Blitz usw arbeiten wollen, die klassischen, bei denen alles etwas länger dauert, wo jedes Bild technisch perfekt sein muss und die auch Equipment sexy finden (auch nicht negativ gemeint). Für die wäre eine DSLR für den Anfang richtig, Nikon 3200 oder Canon EOS 700d…
    Erfahrungsgemäß gehören Frauen oft in die erstere Gruppe und Männer meist in die zweite… das muss aber nicht sein. Ich würde mit besagtem Kandidaten versuchen, anhand von Bildern rauszufinden, was er mag und damit versuchen, den Typ festzustellen.
    Ich persönlich zähle mich übrigens eher zur zweiten Gruppe, bewundere aber die erste und wäre gerne einer von denen… 🙂

    • Sehr interessante Gruppierung Jörg. Diese Unterscheidung nach Mann und Frau (überwiegend) hab ich so noch gar nicht gesehen. Jedenfalls was die Technik und das Equipment angeht. Aber bei näherer Betrachtung kann das schon stimmen. Wenn man sich aber mal von der Hardware loslöst, weibliche Fotografen haben meistens auch den höheren Anteil an Kreativität, im Vergleich zu den oft sehr kopflastigen und analytischen Männern. Aber die Pauschalisierung hat natürlich immer auch Ausnahmen. Es wäre vieleicht lohnenswert, das mal Verhaltenspsychologisch zu untersuchen. 🙂

      p.s.: Und so eine kleine Knipse a la M9 oder so hätt ich aber ganz sehr gerne 🙂 Die von Sylverster Stallone ist übrigens für knapp 5400 EUR weggegangen. Hatte leider nicht mitbieten können… 🙄

  2. Schöner Artikel, Dank Dir Ivan.
    Ich habe bisher oft erlebt, dass ich das Gewollte nicht mit dem vereinen kann was mir geboten wird. Genauer gesagt meine ich, dass ich sehr gerne Portraitfotos schieße oder Abende einfach gerne Bilder von meinem Freunden festhalten möchte. Dabei möchte ich aber meist ein schönes Bokeh haben. Das wiederum setzt voraus, dass man oft ein riesen Klumpen an Kamera mit sich rumschleppen muss. Genau da liegt dann der Hase begraben. Darauf hab ich dann weniger Lust. Da geht irgendwie die Spontanität verloren. Ich würde viel viel mehr fotografieren, wenn mein Handy so ein schönes Bokeh zaubern könnte, wie mein Vollformat 50mm Objektiv.
    Das Ganze hat ja jetzt eigentlich weniger mit dem eigentlichen Thema zu tun. Wieso ich es schreibe aber umso mehr. Genau das waren meine Gründe mit dem Fotografieren anzufangen. Man sieht schöne Fotos mit schönem Bokeh. Dann denkt man: “Sowas möchte ich mit den Motiven meiner Wahl auch machen.”
    Bei vielen Bekannten, die gerne in die Fotowelt einsteigen würden, sehe ich oft genau dasselbe Problem. Sie wollen Fotos machen bei denen der Hintergrund so schön weich ausschaut. Wenn diese sich dann weiter mit der Thematik beschäftigen, wird dann schnell klar, dass man am Ende doch irgendwo bei einer großen Kamera hängen bleibt. Ist diese dann angeschafft, verliert man schnell die Lust das Ding mit sich herum zu schleppen. Irgendwie ein Teufelskreis, wie ich finde. Man muss also seine Ansprüche an die eigenen Fotos neu ausrichten. 🙂

    • Timo, ein kleine nette Canon 5D Mark II mit einem leichten 50mm 1,4er Objektiv ist doch keine Last?! 😉

      Aber ich verstehe sehr gut was du meinst. Ich hab mir letztes Jahr mal selber die Auflage gemacht, überwiegend mit meinem Handy zu fotografieren (daher auch so viele Instagram Fotos 🙂 ) und meine große Kamera daheim zu lassen. Und ich habe es genossen, nicht mehr so viel mit mir rumzuschleppen. zu dem hat es mich inspieriert und ich hab dadurch alleine schon so viele neue Ideen bekommen. Dummerweise gibt es halt physikalische Gesetze und ich glaube die Größe, das Gewicht und die Anzahl der verwendeten Linsen stehen in einem linearen Zusammenhang zu der möglichen Abbildungsqualität. Wobei es glaube ich bei jedem Hersteller schon sog. Pencake Objektive gibt, oder?! Flach und dennoch Lichtstark.

      Aber unabhängig davon, ich träume auch noch von so einer kleinen netten Kompaktkamera etwa in der Größe eines iPhones mit einem Vollformat Sensor und dann auch noch lichtstarke Pencake Objektive mit einer Anfangsblende von 1,4 und insgesamt alles so groß, dass man das locker in eine Hemdtasche stecken kann. Ein Traum….sprichwörtlich.

      Übrigens Bokeh geht auch mit einem Standard Objektiv. Man muss nur die richtige Distanz zu dem Motiv wählen und offenblendig fotografieren. Das zweite Foto hier (auf den Holzbrettern) hab ich damals mit der 18-55mm Kit Linse aufgenommen. http://blognotiz.de/fernweh-2/ 🙂

  3. Oh wie wahr, das Thema Gewicht ist ein großes und wiegt immer schwerer, je älter man wird. Ich bin ja stets mit einer DSLR samt Objektiven, Blitz und allerlei anderem Zeugs unterwegs und habe mich nach 30 Jahren Schulterquälerei von der klassischen Fototasche verabschiedet und bin auf einen Fotorücksack umgestiegen. Der Nachteil ist nur, dass man damit nicht so schnell “ziehen” kann wie mit der Fototasche an der Hüfte. Aber letztlich gab es keine Alternative mehr. Den Traum von einer Handyknipse mit den Fähigkeiten einer DSLR finde ich sehr bestechend.

    • Fototaschen ist auch so ein großes Thema. Ich liebe meine Crumpler Schultertaschen. Die sind so wie du sagst so unglaublich praktisch, aber es geht doch nicht über den Komfort eines Rucksacks. Wobei ich regelmäßig wechsle. Ich kann irgendwie nicht auf die Schultertasche verzichten. Und gerade wenn ich während eines Shootings das Objektiv regelmäßig wechseln möchte, ist eine Schultertasche unverzichtbar.

  4. Ich sehe in den Kommentaren, Leica könnte wesentlich mehr Kunden haben wenn die Geräte nicht so verdammt teuer werden… 🙂 Sony machts mit der RX1 ja vor… Vollformat für die Handtasche… aber auch so verdammt teuer und mit fester Optik… daher eher Luxus- als Gebrauchsgegenstand.
    Wenn man die Geräte wenigstens auf die Größe meiner alten DDR-Kamera (Praktica) schrumpfen könnte… und dann 2000 Euro für den Body… würde ich sofort nehmen.
    Es stimmt schon, die Diskrepanz zwischen Qualität und Größe/Gewicht ist nach wie vor ein Problem.

    • Ich glaube, Leica will gar nicht die breite Masse ansprechen und ich bin auch davon überzeugt, dass die hohen Preise Strategie sind. So behält man sich die Exklusivität bei. Stell dir mal vor eine M9 würde nur noch 999,- EUR kosten. 🙄 Wobei ich eine alte M6 (erst mal) eh bevorzugen würde. 🙂

      • Naja, ich persönlich finde den Preis für eine gebrauchte M9 z.B. ja als grundsätzlich angemessen. Meine Frau allerdings nicht. Und leider ist mein Weibchen auch schlau genug, eine Leica korrekt einzuordnen (der Trick: “Och ich hab mir nur mal ne alte, gebrauchte Kamera geholt” zieht leider nicht). 🙂

        • “alte gebrauchte Kamera” muss ich mal austesten. 😉 Ich glaub ich könnte Glück haben.

          Und wie schaut’s mit ‘ner Fuji X100s aus? Je mehr ich über dieses gute Stück lese, desto mehr werd ich neugierig. Zack Arias sagt sogar, dass Fuji die neue Leica ist und die x100s die beste Kamera sei, die er je in der Hand hatte.

          • Ja, die X100s ist in der Tat ein sehr interessantes Stück Technik. Die ideale Kamera für immer dabei… Bin auch noch am Überlegen… 🙂

  5. Pingback: Voilà! Mein aktuelles Fotoprojekt lebt: “Natürlich analog und digital!” | BlogNotiz.de

  6. Das ist der perfekte Beitrag für einen lieben Freund, der sich auch mit dem Gedanken trägt, eine erste Spiegelreflex zu kaufen.
    Da ist guter Rat wirklich teuer!!
    Links zu Deinen Nikon-Tests habe ich ihm bereits geschickt. Dieser fliegt gleich hinterher…

    Hab’ ich Dir schon mal gesagt, dass ich Deinen Blog immer wieder sehr gerne lese und mich daran erfreue?! 🙂
    (Obwohl ich meine Canon liebe…) ;-))

    Liebe Grüße, Andrea

    • Danke sehr Andrea! Sowas lese ich ja immer gerne. 🙂
      Und eine Canon ist ja auch nicht sooo schlecht 😉 (*Scherz*)

      Ich bin gespannt, welche Kamera er sich dann kaufen wird. Berichte mal bei Gelegenheit!

      VG
      Ivan

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