eine Ode an meine Neue

Normalerweise würde ich mich selber als einen vernünftigen Menschen bezeichnen, der meistens jedenfalls bei der Abwägung zwischen den Vor- und Nachteilen seinen gesunden Menschenverstand benutzt. Aber in so einem Fall spielen (auch bei Männern) die Emotionen einfach nur verrückt. Kennt ihr das?! Ihr seht etwas, was euch gefällt. Der Puls steigt, der Atem wird schwerer und ihr schafft es einfach nicht, euren Blick davon abzuwenden. Und das Kopfkino fängt sofort an zu spielen. So ging es mir neulich, als ich dieses hübsche Ding mit nach Hause brachte. Es war Liebe auf den ersten Blick!!!

Darf ich vorstellen: meine Neue! Sie ist manchmal zickig und definitiv nicht leicht, verlangt nach ungeteilter Zeit, bedarf definitiv viel Geduld und Ruhe und schreit förmlich nach Aufmerksamkeit. Aber wenn man ausreichend Momente seines Lebens mit ihr verbracht hat, ist sie die treueste Seele der Welt. Hach… Und alles manuell und alles analog! Ist das nicht traumhaft! Ja, das Leben könnte so einfach sein. Die digitalen Kameras können heutzutage so viel. Sie sind handlich, günstig, schnell, komfortabel und ebnen einem in allen Punkten der Fotografie den Weg zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Und oft sogar ohne Nachbearbeitung! Aber wem erzähl ich das?!

Das hier ist übrigens eine Zenza Bronica ETRC, sie gehört zu der ETR Bauhreihe und ihr Aufnahmeformat liegt bei dem kleinsten Mittelformat, dem sog. 4,5×6 (Bildgröße 41,5mm × 56mm). Wer mehr über das Mittelformat erfahren möchte, dem kann ich nur wärmstens Michael Gradias’ Fachartikel Lektion #41 empfehlen.

Was also bewegte mich dazu, mit einem monsterschweren Viech von Kamera und einem entsprechend noch schwererem Stativ durch die Gegend zu ziehen, die Belichtungszeit extern zu messen, den Fokus, die Blende und die Verschlusszeit manuell einzustellen, die Entfernung zu berücksichtigen, den Film vorzuspulen, den Verschluss unabhängig davon zu spannen, an beides zu denken, nur um dann nach einer gefühlten Ewigkeit an Vorbereitung ein einziges Foto zu schießen, welches auch noch vor der ersten Betrachtung erst einmal in einem langwierigen Prozess der Entwicklung und Ausbelichtung hergestellt werden muss?!

Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht so genau. Es sind jedenfalls keine analytisch nachvollziehbaren Gründe. Es ist eher was emotionales. Eine Herzensangelegenheit! Wenn ich schon nur das Geräusch eines Spiegelschlags einer analogen Spiegelreflex Kamera höre, hüpfe ich innerlich vor Freude. Wenn ich einen Film meiner Sammlung an analogen Filmen entnehme, die ich übrigens alle im Kühlschrank lagere, ist es fast schon wie dieses euphorische Gefühl, das man beim Bergen eines Schatzes haben muss. Und wenn ich bei einer komplett mechanischen Kamera nach dem Auslösen den Film händisch vorspulen muss, ist es mehr als nur ein notwendiges Übel, weil es keinen integrierten Motor gibt, der das für mich erledigt. Es fühlt sich alles so unglaublich wertig an, so qualitativ hochwertig. Ja, ich denke die analoge Fotografie hat für mich einen größeren  Stellenwert, als die digitale Fotografie.

Versteht mich nicht falsch, ich bin in beiden Welten zu Hause. Es geht auch nicht um den so oft kritisierten Vergleich, ob besser oder schlechter. Und wenn man es nüchtern betrachtet, sind diese Schätze doch nur Werkzeuge, um ein bestimmtes (Foto) Ergebnis zu erzielen. Aber heisst das nun etwa, dass man sich nicht auch in sein Werkzeug verlieben darf?! 🙂

Wie sieht das bei euch aus? Wer fotografiert auch analog? Welche Kameras und welche Aufnahmeformate verwendet ihr für welchen Zweck? Und entwickelt ihr eure Bilder auch selber? Ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar!!!

Das könnte dich auch interessieren:

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. “Darf ich vorstellen: meine Neue! Sie ist manchmal zickig und definitiv nicht leicht, verlangt nach ungeteilter Zeit, bedarf definitiv viel Geduld und Ruhe und schreit förmlich nach Aufmerksamkeit. ”

    Und ich dachte erst, dass Du von deiner Frau sprichst 😀

    Wünsche euch beiden viel Spaß, gutes Wetter und langem Atem für die Belichtung.

    Micha

  2. Hi Ivan,

    Eine schöne Neue hast du da, auch das Format 6×4,5 finde ich spannend. Da ich auch eine neue MF habe sollten wir uns mal zu einem Pärchenausflug in FFM treffen!

    Viele Grüße
    Malte

    • Hallo Malte, das können wir sehr gerne mal machen. Ich kenne definitiv noch viel zu wenig Leute, die sich so wie ich für die analoge Fotografie begeistern können. Wir könnten ja auch mal zu einem analogen Fotowalk durch Frankfurt aufrufen. Mal sehn, wie groß unsere Gruppe dann wird 🙂 Aber so oder so, wir bleiben einfach in Kontakt! LG, Ivan

  3. Moin Ivan,
    da hast Du dir aber ein Schmuckstück zu gelegt. (Neid) Ich wünsche Dir viel Spaß damit. Es fällt mir immer mehr auf, dass der hang immer und immer mehr zurück zur guten alten analogen Zeit geht. Und das ist gut so. Es wird sich wieder auf das wesentliche Konzentriert. Weg von schnell. Hin zu Zeit nehmen für den gewissen Punkt.
    Großartig.

Schreibe einen Kommentar