Gedanken zu einem Streetfotografie Workshop mit Thomas Leuthard

Heute will ich gerne mal ein paar Gedanken loswerden. So ein Blog ist ja was persönliches, also wieso nicht auch persönlich werden. Es geht generell um Weiterbildung, das Thema Street Fotografie und auch ein wenig über flickr und dem mir immer noch nicht erklärbarem Phänomen des flickr.com Explore. Aber eins nach dem anderen.

Letztes Wochenende war Thomas Leuthard in Frankfurt und hat zwei Street Fotografie Workshops abgehalten. Wer Thomas noch nicht kennt und sich für das Thema Street Fotografie interessiert, findet in der folgenden Liste einige weiterführende links zu ihm und seiner Arbeit:

Einen dieser beiden Frankfurt Workshops habe ich am Samstag besucht. Als ich vor einigen Wochen über Twitter davon erfahren habe, musste ich kurzerhand und ohne viel nachzudenken meine Anmeldung abschicken. Denn erstens dachte ich mir, wäre das eine Riesen Gelegenheit was anständiges zu lernen und zweitens wäre der Workshop mit Sicherheit recht schnell ausgebucht gewesen. Und so war es auch. Ja ich habe was anständiges gelernt und ja, der Workshop war ziemlich schnell ausgebucht. Die ganze Sache war mir auch so viel wert, dass ich eines meiner Objektive verkaufen wollte, bzw. musste, da ich mein nicht vorhandenes Budget für meine Hobby Weiterbildung aufstocken musste. Aber es war ja eh nur ein Nikon Objektiv 😉

Scherz beiseite, der Workshop Tag am Samstag war grandios! Ich habe es selten erlebt, dass bei einem Workshop alles so stimmig war. Sowohl Thomas als Workshop Leiter, seine Art wie er das Thema an die Teilnehmer weitergegeben hat, als auch die Teilnehmer, die sich alle wirklich durchweg sympathisch eingebracht haben, hinterließen einen positiven und bleibenden Eindruck bei mir.

Es war unterhaltsam, lehrreich, angenehm und spannend. Wir hatten sowohl ausreichend Theorie die nie langweilig wurde, weil Thomas es brilliant verstanden hat, diese Theorie auch lebensnah zu vermitteln. Aber auch der praxisbezogene Teil, in dem wir alle für etwa 2 Stunden zusammen auf die Strasse gingen, um Fotoaufgaben zu erfüllen, hat wunderbar gepasst. Der krönende Abschluss war das gemeinsame Abendessen in einem nahegelegenen Restaurant nach dem Workshop. Dass fast alle Teilnehmer zu so später Stunde und nach so einem langen Workshop Tag mitkamen, obwohl es ein freiwilliger Agendapunkt war, spiegelt glaube ich eindrücklich wieder, wie gut der Kurs bei allen ankam. Sei diesem Abend weiß nun auch der Thomas, dass ich drei Podcast fähige Geräte besitze und damit seine streetcast.fm Download Statistik etwas irritiere 😎

Eine Besonderheit gab es auch noch an diesem Workshop Tag. Ein mit Thomas befreundeter Fotograf aus Mainz, Achim Katzberg besuchte ihn auf diesem Workshop und blieb als Gast den ganzen Tag. Ich sage bewusst Gast, denn ich glaube, dass er nicht wirklich ein Teilnehmer des Kurses im klassischen Sinne war. Und um ehrlich zu sein kannte ich ihn bisher auch nicht, aber seine Bilder sprechen Bände über seine Fertigkeiten als Fotograf und seit Samstag hat er definitiv einen Fan mehr in seiner Liste zu verzeichnen. Ihr müsst euch unbedingt mal durch seine Galerie auf seiner Website durchklicken. Vorallem finde ich den Namen seiner Website gelungen: querformat-fotografie.de Und seit Samstag sehe ich übrigens auf der Strasse unweigerlich auch zuerst auf die Schuhe und versuche zu erkennen, ob jemand Chucks trägt oder nicht. Seine Fotos über die ALL STARS sind einfach grandios.

Apropos Fotos, ein zentraler Punkt, den ich fast schon gleichwertig zum Workshop empfinde war die Gelegenheit, ein eigenes Foto von Thomas konstruktiv kritisieren zu lassen. Jeder Teilnehmer konnte ihm einige Tage vor Beginn des Workshops ein Foto zuschicken und Thomas hat die Bildkritik des jeweiligen Fotos zu Beginn des Workshops perfekt mit in die Vorstellungsrunde der Teilnehmer eingebunden. Das war Interaktion in Vollendung.

Mein Foto, welches ich eingereicht habe, schoss ich zwei Tage vorher morgens auf dem Weg zur Arbeit im Frankfurter Hauptbahnhof. Ich musste ja, ich hatte ja überhaupt gar kein Street Foto in meinem Portfolio. Es war das folgende Foto, ich nannte es “time runs”, weil man die Uhr in der Reflexion über dem Kopf sehen kann.  Aber erst heute habe ich dem Foto einen Titel verpasst und bei flickr hochgeladen, weil ich selber die Uhr über dem Kopf vorher gar nicht gesehen habe und mir auch kein wirklich passender Titel einfiel. Aber wenn ich den Titel eines Fotos schon erklären muss…naja 🙄 Und ich habe das Format beschnitten, nach der Bildkritik von Thomas. Aber bitteschön, seht selber: https://www.flickr.com/photos/blognotizde/22790859715/

Das Thema der Bildkritik ist ja fast schon ein eigenes Studium, so umfangreich wäre eine Diskussion über all die verschiedenen Ansichten. Eine Empfehlung zu diesem Thema, wie man mit Kritik umgeht, ist definitv die Streetcast.fm Podcast Folge Nr. 13. Und ich persönlich mag auch die Gedanken zum Thema Feedback von Oliver Schlecht (aka Apographon) lesen, die auch in der o.a. Streecast Folge verlinkt sind.

Wie ich bereits sagte, der Workshop Tag hat sich für mich mehr als gelohnt. Die Location, das Wetter, die Themenauswahl für den Praxisteil, die allgemeine Organisation und natürlich auch das Preis/Leistungsverhältnis waren schlussendlich das i-Tüpfelchen zu  diesem Tag.

Aber warum eigentlich Street Fotografie?
Wer meine Fotos kennt, wird dort kaum ein Motiv, geschweige denn eine Serie zur Street Fotografie finden. Daher könnte man meinen, ich hätte mit der Street Fotografie auch nichts am Hut. Offensichtlich liegen ja meine Schwerpunkte aktuell jedenfalls in der analogen Fotografie und das meistens mit den Themen Natur- und Stadt Landschaften und natürlich auch Hochzeiten und Portraits. Und das wird sich vermutlich auch nicht so schnell ändern. Aber da ich mir den Luxus erlauben darf, die Fotografie als Freizeitbeschäftigung auszuleben, schnuppere ich ganz gerne immer wieder mal in andere Bereiche hinein. Weiterbildung ist wichtig! Neulich erst hatte ich eine Phase über mehrere Monate hinweg, in der ich die Makro Fotografie ausgiebig ausgetestet habe. Fotos aus dieser Phase wird es hier aber nie online geben, da ich festgestellt habe, dass ich die Makro Fotografie einfach nicht mag und daher auch nicht weiter verfolgen werde. Daher übrigens auch mein Anfangs erwähnter Objektiv Verkauf zur Finanzierung des Workshops. Es war ein sehr gutes Nikon Makro Objektiv 🙂

Mich faszinieren Street Fotografie Fotos schon seit jeher. Wer einen Blick in die Geschichte der Fotografie wirft, wird unweigerlich auf Namen wie z.B. Eugène Atget, Paul Strand, Bruce Davidson, André Kertész, Dennis Stock und natürlich auch Henri Cartier-Bresson treffen und wer ihre Fotos kennt, kann mich vielleicht ein wenig verstehen. Da geht es um Leben, um Emotionen, um Geschichten, die einfach faszinieren. Fotografie pur! Und das war nur eine kleine Auswahl der “alten Meister”. Die Geschichte der Fotografie ist wirklich spannend, diese zu studieren lohnt sich meiner Meinung nach für jeden, der auch “nur” aus Spass an der Freude fotografiert.

Aber es gibt auch viele zeitgenössische Fotografen aus diesem Genre, die mich mit ihrer Kunst faszinieren. David Mar Quinto, Rui Palha, Piotr Kutolowski, Rudy Boyer, Gagan Sadana und natürlich auch Thomas Leuthard seien da mal exemplarisch genannt. Auch hier gibt es noch wesentlich mehr Fotografen, die man nennen könnte.

Ich schaue mir eben sehr gerne gute Street Fotos an. Daher spielte ich mit dem Gedanken, mich mit der Street Fotografie zu beschäftigen schon seit einiger Zeit. Aber ehrlich gesagt, habe ich mich nie richtig getraut. Ich behaupte einfach mal, dass dieses Genre zu den anspruchvollsten der Fotografie gehört. Wer mir widersprechen möchte, kann dies gerne tun.

Was ist denn nun, bzw. wo beginnt denn überhaupt Street Fotografie?
Die Meinungen zu dieser Definition gehen teilweise sehr weit auseinander, aber wenn ich mal Stilrichtungen außen vor lasse, finde ich die folgende Aussage von Thomas Leuthard grundsätzlich am treffendsten:

Street Fotografie beginnt am Ende Deiner Komfortzone…

Das kann man natürlich auf jedes Fotografie Genre ummünzen. Aber ich finde gerade in der Street Fotografie existiert diese Komfortzone ja fast schon naturgemäß. Jedenfalls am Anfang der “Karriere”. Alleine die Überwindung der Distanz zu einem anderen Menschen wäre erwähnenswert. Und da wären wir auch schon bei meiner Komfortzone. Ich denke, in der Portrait- und der Hochzeitsfotografie ist diese Überwindung nicht wirklich gegeben, da die Spielregeln klar sind. Der Protagonist will ja schließlich fotografiert werden, d.h. mit diesem “Auftrag” an das Foto heranzugehen, muss ich auch keine echte Hürde überwinden. Da gibt es ganz andere Herausforderungen. Aber auf der Strasse bei wildfremden Menschen sieht es da, was die Distanz zum Menschen angeht, schon ganz anders aus. In so einer Situationen auf der Strasse ungefragt abzudrücken ist definitiv ein Schritt aus der Komfortzone heraus. Und dann auch noch alle Regeln der Kunst anzuwenden, damit das Foto am Ende des Tages auch funktioniert, ist wahrlich ein Kunststück.

Was habe ich denn nun gelernt?
Thomas fragte bei der Vorstellungsrunde jeden Teilnehmer, wieviele Stunden er denn schon fotografiert. Diese Frage fand ich sehr spannend. Anstatt zu erzählen, dass ich schon seit x Jahren  fotografiere, musste ich nun tatsächlich in mich gehen und nachzählen, wieviele Stunden ich z.B. in diesem Jahr effektiv mit der Fotografie praktische Zeit verbracht habe. Und da stellte ich fest, dass es erschreckend wenig ist (wenn ich mal meine Sportfotografie weglasse und all die unzähligen Wochenenden, an denen mein Sohn wieder mal ein Fussball Turnier mit seinem Verein zu bestreiten hat). Mein Fazit ist daher ganz einfach: ich muss öfters und regelmäßiger zur Kamera greifen und bewusster fotografieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass es da einen kausalen Zusammenhang gibt 🙂

Aber das ist nur ein kleiner Punkt, den ich mit nach Hause nehmen durfte. Den praktischen Teil mit den Fotoaufgaben fand ich noch sehr gut. Sich selber mal einzuschränken und eine bestimmte Zeit nur ein einziges Thema zu fotografieren, wie z.B. nur Details oder nur Linien oder nur Zahlen, etc. ist fast schon zu simpel, aber unglaublich effektiv, wenn es darum geht, das Auge zu schulen.

Ich denke, wenn ich alles, was ich interessant und gut fand hier aufzählen müsste, würde der Blogpost ewig lang werden. Es war aber ausreichend, um mir selber einen Plan zu erstellen, wie ich systematisch an die Sache rangehen werde, um bewusst in das Thema der Street Fotografie hineinzuwachsen.

Ob ich nun in dieser Disziplin mit dem neu Erlenten Wissen meine fotografische Kreativität entwickeln werde, wird sich allerdings erst noch zeigen. Aktuell jedenfalls bin ich – wie sagt der Frankfurter: uffgerescht – und ziemlich neugierig zu sehen, was ich da machen kann und werde die nächste Zeit ganz bewusst in diese Richtung gehen. Und natürlich werde ich auch defintiv eine Zeit lang auch analog an die Sache rangehen. Ob das was werden wird, kann ich natürlich auch noch nicht sagen. Aber an den Fotos werdet ihr es erkennen 😉

das Phänomen flickr Explore
Apropos, mein erstes Foto aus dem Workshop vom Samstag ist gleichzeitig auch mein bestes Street Foto bisher dort. Jedenfalls wenn man die flickr.com Statistiken als Maßstab nehmen würde. Es hat bei flickr.com immerhin schon die Aufmerksamkeit von bisher 9641 Leuten erhalten, 201 davon haben es als Favorit markiert und 7 dazu auch kommentiert und es hat es auch in die flickr.com “Explore” Gallerie geschafft. Ich könnte nun eigentlich mit der Street Fotografie aufhören, oder?! 🙄

Aber was bedeutet das denn wirklich?
Ich denke, es ist ganz nett und tut der Seele gut, wenn sich so viele Menschen ein Foto von mir anschauen. Ich kann nicht leugnen, ein ganz normaler Mensch zu sein, dem Anerkennung gut tut. Aber wenn ich ehrlich bin, bringt mich das in meinen fotografischen Fähigkeiten kein Stück weiter. Ganz im Gegenteil! Wenn ich mir diesen kurzen Ruhm zu sehr zu Herzen nehmen würde, wäre es sogar kontraproduktiv, weil ich ja automatisch unter Erfolgsdruck stehe, dass das nächste Foto ebenso diesen “Erfolg” erzielt wie das vorherige. Und dann würde ich vermutlich entweder gar keine Fotos mehr produzieren und online stellen oder viel zu viele. Nee, nee! Aber nicht mit mir! Da ich weiß wer ich bin und was ich will, bin ich glücklicherweise nicht so abhängig von diesen “virtuellen Lobeshymnen” in den sozialen Medien. Und darüber bin ich ziemlich froh.

Das Bild ist übrigens noch nicht einmal ein Ergebnis der Workshop Aufgaben gewesen, ich hatte es auf dem Rückweg zum Tagungsraum, in dem wir den Workshop hatten rein “zufällig” geschossen. Ich hab schon scherzhafter Weise gesagt, dass es nur deshalb so populär auf flickr wurde, weil der Thomas Leuthard auch auf dem Foto drauf ist (die zweite hintere Person).

Interessierst du dich für die Street Fotografie? Wieso eigentlich, bzw. wieso eigentlich nicht? Kann man Street Fotografie auch analog fotografieren? Mich interessiert brennend eure Meinung dazu. Ich freue mich über jeden Kommentar!

durchgehend Frankfurt

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8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Ivan,

    hier findet man also die Auflösung zum Bild “time runs” auf flickr. 🙂
    Das mit der Uhr ist mir gar nicht aufgefallen. Da sieht man mal wie unterschiedlich die Leute eine Situation betrachten.

    Ich finde das Thema “street Fotografie” wirklich sehr aufregend, aber fühle mich auch gleichzeitig unwohl dabei. Die Komfortzone zu verlassen und ein unwohles Gefühl zu haben, das Recht einer Person zu verletzen, ist eher nicht so mein Ding. Auf der anderen Seite, wäre ich auch nicht abgeneigt diese Person danach anzusprechen. Dadurch verliert das Ganze aber wieder ein bischen seines spontanen Charackters. Von daher ist es eigentlich nichts für mich. Solange die Personen als Beiwerk das Bild schmücken, hab ich ein wohleres Gefühl dabei.
    Selber würde ich nicht gerne in jedmöglicher Situation ungefragt fotografiert und online gestellt werden. Wobei aber auch ein gewisser Grad an Gleichgültigkeit in mir vorhanden ist. Kommt eben auf die Situation drauf an. Ich nehme an, so wird es den meisten Leuten gehen.
    Ein anderes Thema bzgl. Komfortzone ist die Makrofotografie. Auch hier hab ich mal ausprobiert und muss sagen, hier ist mit “die Komfortzone verlassen” auch wirklich der Komfort gemeint. Sehr früh aufstehen und im Busch sitzen um die trägen Insekten beim warm werden zu beobachten, ist echt nicht jedermanns Sache. Ich bin aber froh, das mal ausprobiert zu haben, da man so ein ganz anderen Bezug zum Mikrokosmos bekommt und das Leben der Kleinlebewesen mehr zu schätzen lernt, wenn man mal so ein Tierchen bewegend mit eigenen Augen im eigenen Sucher, anstatt auf Bilder von anderen Leuten, gesehen hat. Natürlich sollte man sich schon im Vorfeld nicht ekeln.

    VG Timo

  2. Pingback: ein Street Fotografie Buch von Thomas Leuthard | BlogNotiz.de

  3. Für mich ist das ein zweischneidiges Schwert.
    Es gibt (besser gab) ein Video von TL in dem er sehr respektlos in Istanbul unterwegs war. Ich glaube von dem Trip damals ist er weg. Trotzdem hat TL in meinen Augen noch immer einen sehr laxen Umgang mit den Persönlichkeitsrechten.
    Was mich wirklich fasziniert ist der grafische Aufbau mancher Bilder. Negativer Raum, Farbe, Struktur. Das können Schnappschüsse sein – ich glaube aber viel öfters ist es harte Arbeit. Suchen des Platzes. Warten auf eine Person im Bild. Am richtigen Platz. Manchmal entstehen so wirklich tolle Bilder.
    Aktuell geht der Trend ja zu SW und Gegenlicht, damit umgeht der TL ja aktuell stark das Problem der Persönlichkeitsrechte.
    Und nur um das nochmals zu sagen: Ich höre seine Podcast und habe ihn durch Zufall mal kurz getroffen und gesprochen. Ein netter Typ. Würde jederzeit ein Bier mit ihm trinken. Ehrlich. Aber die Sache mit dem Recht am eigenen Bild… naja.

    Zu deiner Frage Street&Analog? Warum nicht. Hauptsache ist doch, dass man die Kamera in die Hand nimmt und raus geht. Einen Nachteil hat deine analoge Pentax gegen meine kleine Lumix GM5: Sehr auffällig und sehr laut. ;-p

    • Hallo Oli, ich kann das Problem mit den Rechten schon ziemlich gut nachvollziehen. Es ist wenigstens für mich ein echter Zwiespalt. Streng genommen kann man tatsächlich das Verhalten, die Persönlichkeitsrechte Dritter nicht zu wahren als respektlos bezeichnen. Ob man das nun der Kunst zu liebe ignoriert oder vielleicht tatsächlich nicht mehr ernst nimmt (weil es ja so viele machen), ist ja noch mal ein anderes Thema. Ich glaube auch, dass die Motivation hier zweitrangig ist. Fakten sind nun mal Fakten. Aber auf der anderen Seite steht nun mal auch die Geschichte der Fotografie, auch gerade im Bereich der Street Fotografie, die voller unglaublichen Fotos ist, die eben nicht existieren würde, hätte es diese Fotografen nicht gegeben, die der Fotografie den Vorrang gegeben haben. Aber gut, man könnte nun anfangen zu diskutieren, ob der Zweck auch in der Fotografie alle Mittel heiligen darf. Ich denke, das Thema könnten wir mal in Ruhe irgendwann Abends bei einem Bier auseinandernehmen, sobald du mal zufällig in Frankfurt bist oder ich vielleicht in München 😉

      Es sind nun einige Wochen seit dem Workshop vergangen und ich hab einiges an Fotos auf der Strasse produziert, auf denen andere einzelne Menschen ziemlich gut zu erkennen sind. Aber um ehrlich zu sein brodelt immer wieder und immer noch dieses flaue Gefühl in mir, wenn ich daran denke die Fotos auf flickr.com oder hier auf meinem Blog zu veröffentlichen. Letztendlich hab ich es nicht getan und werde es _vermutlich_ auch nicht mehr machen. Mal sehn… Personen erkenntlich auf den Fotos abzubilden ist ja zum Glück nicht der einzige Weg in der Streetfotografie. Gegenlicht, Strukturen, etc. gibt es ja als Stilmittel zum Glück auch noch. Aber davon abgesehen merke ich, dass ich seit dem Workshop einen Prozess in mir gestartet habe und definitiv anders an Motive herangehe. Bin gespannt, wohin mich das noch bringt.

      Zur analogen Fotografie, ich glaube wenn ich mit meiner schweren Pentax auf der Strasse versuche unbemerkt Leute zu fotografieren, muss es schon ziemlich dunkel sein, um nicht aufzufallen. Da hast du es mit deiner Lumix definitiv einfacher 😉

  4. Pingback: Bühne frei für alle Fotografie Blogger | BlogNotiz.de

  5. Hallo Ivan,

    viele Leute benutzen für Streetfotographie analoge Kameras und schwarz-weiss. Da ich fast nur noch auf Film fotographiere mache ich das auch so. Bevorzugt nehme ich dazu meine kleine Pentax ME oder die Nikon ME und 400er sw-Film (meistens Ilford Delta 400). Ich habe aber auch schon SFX200 zu diesem Zweck benutzt.
    Ich bin aber kein klassischer Streetfotograph, sondern nutze, wenn ich in der Stadt unterwegs bin gerne die Gelegenheit, Szenen, die mir eine Aussage zu haben scheinen, zu fotographieren. Das ist für mich eher Beiwerk als eigentlicher Zweck.
    So kommt es, dass ich auch oft mit Mittelformat solche Szenen knipse. Dazu habe ich eine GF670 Prof., die einen so leisen Auslöser hat, dass niemand mitbekommt, wenn ich sie auslöse.

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